Drei Fragen an Sean O’Connell

Montag, 29. November 2010

Drei Fragen an...

Drei Fragen an...

Diese Woche hatte ich die Chance mit dem Autor von »Tír na nÓg«, Sean O’Connell, ein Interview zu führen. Mit ihm sprach ich über gute Science-Fiction Literatur, die Zukunft des gedruckten Buches im Zeitalter von E-Books und Hörbüchern und über seine Arbeit an der Forsetzung von »Tír na nÓg«. In diesem wirklich spannenden Kurzinterview konnte ich Sean sogar schon einen kleinen Ausblick auf den 2. Teil der Cornelis-Bücher entlocken.
 

 
 
 

Interview mit Sean O’Connell


Autor Sean O’Connell hat vor kurzem ein, wie ich finde, beachtliches Debüt hingelegt. Mit einer unkonventionellen Mischung aus Fantasy, Steampunk und Science-Fiction ist Tír na nÓg ein Hörbuch das genreübergreifend seine Fans findet.

Sebastian:Sean, mit »Tír na nÓg« hast Du unter Beweis gestellt wie vielseitig Science-Fiction sein kann. Was macht Deiner Meinung nach gute Science-Fiction aus? Und welche Science-Fiction liest Du selber gerne oder würdest Du gerne lesen?

Sean:Gute Science Fiction, gute Fantasy, ja gute Literatur überhaupt, sollte einen in erster Linie immer neugierig machen. Leider gelingt das nicht immer, was aber nicht nur am Verfasser liegen muss. Hier spielen auch einseitige Verlagsprogramme und ideenlose Marketingkonzepte eine wichtige Rolle. Die Schubladisierung hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen, ich sage nur „Stichwort: Urban Fantasy“. Da gehen schon mal tolle Geschichten unter, die da nicht in die oftmals enggestrickten Konzepte reinpassen.

Eine wichtige Frage, die man sich als Leser und als Verleger immer wieder stellen muss ist: würde ein Werk wie „Herr der Ringe“ heute überhaupt noch publiziert werden? Wichtig ist also bei allen sicherlich notwendigen betriebswirtschaftlichen Überlegungen, wieviel Spielraum hat ein Lektor überhaupt? Kann er auch mal Ungewöhnliches auf den Markt bringen, oder wird das Controlling bzw. die Marketingabteilung diese Titel im Zweifelsfall spritzen? Seltsamerweise ist der Mut zum Risiko in Übersee immer noch größer als hierzulande, obwohl dort die wirtschaftliche Lage der Verlage weitaus angespannter ist.

 

Im Gespräch: Sean O'Connell

Im Gespräch: Sean O'Connell


 

Aber man muss selbstverständlich auch Positives über den deutschsprachigen Raum berichten: immerhin ist es in den vergangenen zehn Jahren gelungen, eine ganz eigene deutsche Szene aufzubauen, die es davor so nicht gegeben hat. Und das nachhaltig. Was das Lesen betrifft, nun, zur Zeit lese ich leider wenig phantastische Literatur (bedingt durch Recherchen, etc.), mehr Sachbücher oder Mainstream, doch wofür immer Zeit sein muss, sind Autoren wie Jeff Noon oder China Mieville. Beides Autoren, die übrigens Garanten für neugierig machende Literatur sind.

Sebastian: Als SciFi-Autor liegt es Dir ja quasi im Blut in die Zukunft zu blicken. Daher dreht sich meine zweite Frage um die Zukunft des Buchmarktes. Ist Deiner Meinung nach das gedruckte Buch ein Auslaufmodel? Welche Buchmedien konsumierst Du eigentlich selber am liebsten: Print, Audio oder Digital?

Sean:Ich glaube, beim Lesen spielt Haptik und Optik, vielleicht aber auch der Geruch von Papier, für viele Menschen noch eine entscheidende Rolle, insofern bleibt das Buch das Medium der Zukunft. Doch man darf nicht unterschätzen, dass die Reader – sollten sie endlich mal unter die fünfzig Euro Marke fallen –, auch viele Vorteile bieten. Würde ich beispielweise noch einmal studieren, wäre ein e-Bookreader die erste Wahl, um sämtliche Werke draufzuladen, die ich für’s Lernen bräuchte. Audiobooks wiederum, da stimme ich den Printverlegern zu, sind etwas ganz anderes.

Sie kommen meines Erachtens meist dort zum Einsatz, wo Bücher nicht genutzt werden können, zum Beispiel beim Autofahren. Ich sehe sie als tolle Ergänzung und sie entfalten ihren ganz eigenen Zauber. Ich selbst bin was Bücher betrifft eher konservativ und bevorzuge immer noch das gedruckte Buch. Doch Audiobooks könnte ein weiteres Steckenpferd werden. Schließlich habe ich „Tír na nÓg“ inzwischen dreimal im Auto gehört.

Sebastian:Wie man auf Deiner Website lesen konnte, steht die erste Version der Fortsetzung zu »Tír na nÓg« bereits kurz vor der Vollendung. Die Veröffentlichung wird für Herbst 2011 angekündigt und es gibt sogar schon eine Facebook-Fanseite zu »Túatha Dé Danann«. Worauf können sich die Fans im zweiten Teil freuen? Möchtest Du schon ein bisschen was verraten? Wie wird die Geschichte um Cornelis weitergehen?

Sean:»Túatha Dé Danann« wird im Vergleich zu »Tír na nÓg« etwas urbaner werden. Zwei Städte bilden die Handlungsschwerpunkte im zweiten Roman und sie könnten grundverschiedener nicht sein: Zum einen gibt es Sternenheim, vollgestopft mit einer Vielzahl von Leben aller Art, ein schrecklicher Moloch, der seit einiger Zeit heimgesucht wird von einer furchtbaren Bestie namens Ereschkigal. Als der Abgründige Gott und sein Diener Nyail dort auftauchen, eskaliert die Situation natürlich (lacht). Unser junger Held Cornelis und seine Freunde sind mittendrin im Geschehen, denn sie folgen der Spur der Hirnräuber, die Meister Akis Denkorgan gestohlen haben.

Die zweite Stadt, die vor allem in der zweiten Romanhälfte handlungsrelevant wird, trägt den Namen Bella Constanzia. Sie war einst die Hauptstadt der Älteren, wurde aber durch den Ausbruch eines Supervulkans vor fünfhundert Jahren vollständig verwüstet. Hier kommt es letztlich zum Showdown zwischen den Túatha Dé Danann und den Menschen, die vor der zunehmenden Entropie hierher geflohen sind. Am Ende muss Cornelis (wie in „Tír na nÓg“ schon angesprochen) eine schwerwiegende Entscheidung treffen, die über das Schicksal der Welt entscheidet.

Ich bedanke mich herzlich bei Sean für die Zeit, die er sich genommen hat und seine sehr spannenden und informativen Antworten. Wer mehr über den Autor erfahren möchte und vor allem auf dem Laufenden zur Forsetzung von »Tír na nÓg« bleiben möchte, dem empfehle ich wärmstens Wortwellen – die Website von Sean O’Connell.

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