Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing
Nathan der Weise ist ein zeitloser Klassiker
Denn Unterricht kann auch spannend sein, vorallem wenn man ihn ins Theater verlegt. Nathan der Weise ist ein zeitloser Klassiker, der viele Bühneninterpretationen erlebt hat. Ich habe mir verschiedene Aufführungen von Lessings Nathan der Weise in den vergangenen Jahren angeschaut und auch die eine oder andere Hörspielinszenierung angehört. Heute möchte ich die sehr erfolgreiche Inszenierung von Karl Heinz Stroux aus dem Deutsche Grammphon Verlag vorstellen.
Inhalt – Die Ringparabel bildet das Herz des Stückes
Eingebettet in die Zeit der Kreuzzüge des 12Jdh. Spielt das Stück während einem Waffenstillstand in Jerusalem. Der reiche Jude Nathan erfährt bei der Rückkehr von einer Geschäftsreise, dass seine Tochter nur knapp dem Tod bei einem Hausbrand entkommen ist. Aus den Flammen gerettet wurde sie von einem christlichen Tempelherr. Der Ordensritter verdankt sein Leben der Begnadigung durch den muslimischen Herrscher, Sultan Saladin. Dieser hat ihn als einzigen von zwanzig Gefangenen begnadigt, weil er Saladins verschollenem Bruder Assad ähnlich sah.
Derweilen hat Saladin Geldsorgen, weswegen er Nathan zu sich bringen lässt. Er will Nathans bekannte Weisheit testen und fragt ihn nach der „wahren Religion“. Nathan antwortet mit der Ringparabel. Saladin versteht schnell die Botschaft von der Gleichberechtigung der drei monotheistischen Religionen. Davon tief beeindruckt, bittet er, Nathans Freund sein zu dürfen.
Der Tempelherr hat sich unterdessen in Recha verliebt und möchte sie heiraten. Als er durch Information von Nathans Gesellschafterin Daja, einer Christin, herausfindet, dass Recha adoptiert ist und ihre leiblichen Eltern Christen waren, wendet er sich an den Patriarchen von Jerusalem, welcher „diesen Juden“ auf den Scheiterhaufen sehen will.
Durch ein Verzeichnis eines Klosterbruders stellt sich schließlich heraus, dass die von einem Juden erzogene Recha und der christliche Tempelherr Geschwister und zugleich die Kinder von Assad sind, der wiederum Saladins Bruder und Moslem war. Somit sind sie auch noch Nichte und Neffe des Muslims Saladin, womit die enge Verwandtschaft der Religionen nochmals verdeutlicht wird. Nathan wird als Vater im Sinne der Seelenverwandtschaft und Adoption anerkannt.
Die Idee von Toleranz und der Freiheit des Einzelnen
Im Mittelpunkt steht die Frage nach Wahrheit. Was ist die „wahren Religion“? Diese wird in der Ringparabel von Nathan als unlösbares Problem entlarvt. Das aufklärerische Stück über Toleranz, Respekt und Achtung des Andersseins gibt uns zu denken über die Freiheit des Einzelnen und das friedliche Miteinander der Kulturen.
Ernst Deutsch überzeugt mit seinem Können

Ernst Deutsch
In der 2004 im Deutsche Grammophon erschienen Inszenierung gibt Theaterschauspieler Ernst Deutsch eine überzeugende Vorstellung. Die Rollen werden lebhaft betont, so dass man dem Plot gut folgen kann. Wie in vielen Inszenierungen üblich wurde an einigen Stellen gekürzt, was ich aber nicht so tragisch fand. Die Kernaussage des Stückes, die Botschaft der Ringparabel kommt beim Hörer an.
Insgesamt eine gute Vorstellung. Die 2 CDs vergehen für den Hörer wie im Flug. Mit dieser Version kann man nichts falsch machen. Trotzdem hat mir die ebenfalls als Hörbuch erschienen Aufführung des Wiener Burgtheaters mit Will Quadflieg in der Hauptrolle noch ein Tick besser gefallen.
Die Rollen und Ihre Darsteller:
Nathan
Ernst Deutsch
Saladin
Franz Schafheitlin
Sittah
Verena Wiet
Recha
Luitgard Imm
Daja
Käthe Haag
Tempelherr
Siegmar Schneider
Derwisch
Manfred Inger
Patriarch
Ernst Sattler
Klosterbruder
Hans Hessling


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