1979 von Christian Kracht

Samstag, 19. Mai 2012

Christian-Kracht: 1979

Christian-Kracht: 1979

Ein junger Weltenbummler wird in den Revolutionsunruhen in Teheran 1979 als Spion verhaftet, entkommt und sucht Läuterung in der Meditation, schließlich endet er als Sträfling in einem Umerziehungslager. Christian Krachts Roman über Spannungen zwischen Fundamentalismus und westlicher Weltanschauung wirkte nach seiner Veröffentlichung Anfang der 2000er Jahre besonders im Kontext der Anschläge des 11. Septembers. Gelesen vom Autoren selbst…außergewöhnliches Hörbuch.
 

 
 

1979 – der symbolische Tausch und der Tod


Die Handlung spielt, wie der Titel vermuten lässt, im Jahr 1979. Der Ich-Erzähler reist mit seinem Ex-Freund Christopher nach Teheran, das damals im Zeichen der islamischen Revolution von Chomeini stand. Als Christopher nach einem Drogenexzess stirbt, wird der Erzähler von einem mysteriösen Rumänen ermutigt, den heiligen Berg Kailash in Tibet zu umrunden. Dort wird er von der chinesischen Armee aufgegriffen und in einem Straflager in der Wüste Lop Nor interniert.

 

 

Über den Autor: Christian Kracht


Der schweizerische Schriftsteller und Journalist Christian Kracht löste 1995 mit dem Erscheinen von Faserland den Boom der sogenannten Popliteratur aus. Aktuell macht er mit dem Roman “Imperium” in den Kritiken von sich reden.

“Imperium” erzählt die Geschichte des Aussteigers August Engelhardt aus Nürnberg neu. Engelhardt reiste Anfang des 20. Jahrhunderts in die damalige Kolonie Deutsch-Neuguinea, um dort eine Kokosplantage zu kaufen und zu betreiben. Sein erklärtes Ziel: sich als bekennender Vegetarier ausschließlich von der Kokosnuss zu ernähren. Auf dieser historisch belegten Gestalt basierend, erzählt Kracht eine Mischung aus Südseeballade, Sehnsuchtsphantasie und Aussteigergeschichte. August Engelhardt sah sich selbst als Weltretter, wollte eine neue Religion stiften, ein eigenes Reich gründen und mit einer kruden Kokosnuss-Philosophie die ganze Welt retten. Imperium erzählt vom Aufbruch, von Hoffnungen, Enttäuschungen und dem grandiosen Scheitern. Der Leser folgt einer Spirale des Wahnsinns, die Verwerfungen des 20. Jahrhunderts vorwegnimmt. Der Held geht am Ende unter. Er wird vom Vegetarier zum Kannibalen, vom Weltenretter zum Antisemiten und vom gesunden Asketen zum körperlichen Wrack.

 

Mein Fazit


Eine außergewöhnliche Geschichte, bei der der Hörer schwer einschätzen mag, ist das jetzt oberflächliches Dandy-Palaber oder tiefgründige Hochliteratur. Hier prallen Welten aufeinander. Westlicher Konsumgeist und östliche Lebensideologie. Definitiv ein Hörbuch, das man mindestens zweimal hören wird.

Die Hörbuchaufnahme knackt und rauscht, als höre man eine Vinylplatte. Eine interessante Idee, die der Lesung den richtigen Charme verleiht. Christian Kracht liest nüchtern, kühl und distanziert. Sein teilweise monotoner und fast schon depressiver Sound erinnert ein wenig an die Hermann Hesse Lesungen eines Ulrich Matthes. Gutes Hörbuch!

Viel Spaß beim Nachhören!

 

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 2

Spieldauer: ca. 209min. (ungekürzte Lesung)

CDs: 3

Verlag: Kiepenhauer & Witsch

Erschienen: 2002

Noch keine Kommentare vorhanden.

Sag Deine Meinung

 

Unsere Hörbuch-Empfehlungen: