Anleitung zum Unglücklichsein von Paul Watzlawick

Mittwoch, 18. Januar 2012

Anleitung zum Unglücklichsein

Anleitung zum Unglücklichsein

Paul Watzlawicks Hörbuch »Anleitung zum Unglücklichsein« ist nicht nur der Sachbuchklassiker schlechthin, nein, es kann ein echter Lebensretter sein. Die Geschichten kreisen um die uralte Frage nach dem menschlichen Glück. Doch dreht Watzlawick den Spies gewitzt um, stellt er doch nicht nur die Frage: Wie ist ein glückliches Leben möglich, sondern auch, was können wir tun, um es zu verhindern. Schauspieler Ernst Konrek trifft im Hörbuch genau den Ton zur »Anleitung zum Unglücklichsein«. Absolut empfehlenswert!
 

 
 
 

Paul Watzlawicks Wege ins Unglück


“Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, daß er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles!”


Worin besteht das Glück? Schon im Altertum zählte Terentius Varro 289 unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema, erfahren wir bei Paul Watzlawick. Die Zahl der Bücher, die Lesern das Geheimnis des Glücks verraten wollen, ist seit Erscheinen von Watzlawicks Klassiker im Jahr 1983 nicht weniger geworden. Umso erstaunlicher, dass seine »Anleitung zum Unglücklichsein« immer noch aktuell ist.

Einige der Geschichten aus dem Kultbuch des österreichischen Psychotherapeuten – etwa die mit dem Hammer oder die mit dem verscheuchten Elefanten – sind inzwischen Gemeingutgeworden. Dieser Erfolg läßt sich erklären. Das entscheidende Merkmal von Watzlawicks Buch ist der Trick der spiegelbildlichen Betrachtung: Indem der Autor uns vorführt, mit welcher Geschicklichkeit, mit welchem Wahn und welcher Tragik sich Menschen ins Unglück stürzen, erkennen wir im Umkehrschluss, die Möglichkeiten eines besseren Lebens.

Wir müssen uns nur entschließen, das “todernste Spiel” mit dem Unglück zu beenden und wieder Vertrauen in das Gute zu fassen. Witz und Ironie statt Verbissenheit, Blick nach vorn statt ständiger Analyse des Gewesenen: Der Professor der Psychotherapie Paul Watzlawick kämpfte mit leichter Klinge nicht nur gegen den Selbsthaß der rastlos Unzufriedenen, sondern auch gegen manche Therapeuten-Kollegen, die nur in langwieriger Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ihre Klienten die Lösung von Problemen suchen.

“Ich leugne nicht, daß diese Probleme ihre Ursache in der Vergangenheit haben. Aber ich frage, ob es notwendig ist, die Ursachen in der Vergangenheit zu begreifen, die Entwicklung dieser Problematik zu verstehen und dann durch Einsicht in die Ursachen einen therapeutischen Wandel herbei zuführen.”

 

Wie pointiert und eloquent Paul Watzlawick argumentiert, zeigt auch der Vortrag im Video. “Wenn das Problem die Lösung ist” heißt ein Vortrag aus dem Jahre 1987, der am 25.02.2007 vom swr in der Sendereihe Tele-Akademie ausgestrahlt wurde.

 

 

Die einfachsten Wahrheiten sind oft die schwierigsten


Vieles aus der langjährigen Lebens- und Berufserfahrung von Paul Watzlawick ist in »Anleitung zum Unglücklichsein« eingeflossen: Kommunikationstheorien und therapeutische Ansätze, Fachbegriffe, die er erfunden hat (Rückkopplung, Selbsterfüllende Prophezeiung, Doppelbindung). Das Schöne ist, daß es ihm gelang, seine Weisheit auf unterhaltsame Weise zu vermitteln und immer wieder mit amüsanten Geschichten aus dem Alltag zu verbinden.

Deswegen ist sein (Anti-)Ratgeber für Laien wie auch für Therapeuten gleichermaßen nützlich. Wenn wir das nächste Mal den Hammer zum Nagel finden müssen, imaginäre Elefanten in die Flucht treiben wollen oder verzweifelt versuchen, über die Liebe zu reden, werden wir mit Blick auf unsere eigenen Schwächen lächeln. Dann haben wir im besten Fall – ganz im Sinne des Konstruktivismus – unsere Perspektive gewechselt und sind zu neuer Erkenntnis gekommen. Ende gut, alles gut.

 

Mein Fazit


Paul Watzlawicks »Anleitung zum Unglücklichsein« ist nicht nur der Sachbuchklassiker schlechthin, sondern ein echter Lebensretter an trüben Wintertagen. Eine humorvolle Betrachtung zwischenmenschlicher Beziehungen für alle, die einmal ihre eigenen alltäglichen Entscheidungen und Handlungen kritisch hinterfragen wollen.

Der in Wien geborene Schauspieler Ernst Konrek trifft mit seinem leichten Akzent im Hörbuch genau den Ton, der die »Anleitung zum Unglücklichsein« zu einem der charmantesten Sachhörbücher überhaupt macht.

Ein tolles Buch, in einer unterhaltsamen Hörbuchumsetzung. Einfach anhören und besser fühlen :)

 

Viel Spaß beim Nachhören!

 

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 1

Spieldauer: ca. 114min. (gekürzte Fassung)

CDs: 2

Verlag: DAV

Erschienen: 2002

  • Björn
    Okt 15th, 2013 at 11:50 | #1

    Eine Gegenrede. Glück IST machbar. Und nein, die Erfüllung eines Herzenswunsches ist NICHT ein Unglück.

    Ich hatte lange den Herzenswunsch meine alte Küche zu renovieren. Da ich ansonsten nicht besonders viel handwerklich arbeite, schien es mir einen riesige und schwierige Aufgabe. Ich schob es auf von Jahr zu Jahr und wurde wegen meiner alten schmuddeligen Küche immer unglücklicher und vermied es Gäste einzuladen. Ich hatte Angst sie würden sich ekeln. Dann wurde die Nachbarwohnung renoviert und ich ergriff die Gelegenheit und sprach mit dem Vermieter. Schließlich wollte ich ja auch einen neuen Boden und neue Fließen. Bei so etwas braucht man die Zustimmung des Vermieters. Alles ging plötzlich sehr schnell – ich musste schnell viele Entscheidungen treffen und der Vermieter war nicht immer einig mit meinen Vorstellungen. 6 Wochen hatte ich keine Kochgelegenheit. Beim Heimwerken zersägte ich zwei komplette Arbeitsplatten…aber schließlich war sie fertig. Ich lud meine besten Freunde ein und bekochte Sie. Auch meine Eltern konnte ich endlich mal wieder verwöhnen. Das machte und macht mich heute noch glücklich.

    Fazit: Probleme sind lösbar. Manchmal muss man eben die passende Situation abwarten können. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass die Wünsche klar definiert sind und die Beseitigung des Problems einen Wert über den eigenen Bedarf darstellt. Also dass andere ebenfalls profitieren. Dadurch erst bekommt man das fürs persönliche Glück so wichtige positive Feedback. Ohne positive Resonanz von irgendwem ist das Leben sinnlos und der Selbstzweifel eine logische Konsequenz. Denn wir sind nun mal soziale Wesen die sich nach Zuneigung und Kommunikation sehnen.

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