Darum von Daniel Glattauer

Samstag, 8. Oktober 2011

Darum

Darum von D. Glattauer

Das Hörbuch »Darum« von Daniel Glattauer ist ein Krimi der anderen Art. Obwohl vom ersten Moment an klar ist, wer den Mord begangen hat, bleibt der Hörer bis zur letzten Sekunde gefesselt von den Fragen, ob der Mörder seine Strafe erhalten wird und vor allem: Warum er sie unbedingt will? Der tragisch-komische Roman und der lakonisch, sarkastische Erzählstil von Sprecher Peter Jordan passen wie die Faust aufs Auge!
 

 
 
 
 

Warum? Darum!


So die Antwort von Jan Haigerer auf die Frage, warum er zum Mörder wurde. Journalist und Hobbyautor Jan Haigerer ist immer höflich, lacht viel und erfüllt stets alle Erwartungen. Bis zu dem Tag, als er einen Menschen erschießt. Auch wenn alles, insbesondere das Geständnis des Angeklagten, dagegen spricht, wollen die Geschworenen und vor allem die einflussreichen Freunde des Journalisten ihn wieder auf freien Fuß setzen. Es muss ein Irrtum vorliegen, das ist ihnen völlig klar. Während der 43-Jährige alles daran gibt, lebenslang hinter Gitter zu kommen, spinnen seine zahlreichen Freunde ein Netz aus entlastenden Beweismitteln. Haigerer bleibt keine Wahl: Er muss gestehen, warum er unbedingt ins Gefängnis möchte.

 

 

Mein Fazit


In der letzten Woche habe ich ein paar freie Tage in Wien verbracht. Was lag da näher, als sich während dieser Reise einmal wieder einen Österrreichischen Autoren auf die Ohren zu geben. Daniel Glattauer dürfte den meisten noch von seinem Romanen Gut gegen Nordwind und der Fortsetzung Alle sieben Wellen bekannt sein.

Mit »Darum« wechselt Glattauer, wenn man so will, ins Krimi-Genre (eigenlich erschien der Roman aber vor den bekannten Erfolgen, nämlich schon 2003). Wobei »Darum« eigentlich den typischen Krimi-Plot komplett umgekrempelt. Das Rätsel ist hier ein psychologisches. Die Frage: Warum hat Jan Haigerer die Tat begangen und warum will er nicht auf freien Fuss gesetzt werden?

In einer anderen Rezension wurde Daniel Glattauers »Darum« als “Kafkas-Process Invers” umschrieben und ich finde, das trifft den Nagel auf den Kopf. Nicht umsonst gibt Glauttauer im Interview oben an, das genau das sein Lieblingsbuch sei. Statt den äußeren dunklen, unbekannten Mächten, die K. die Freiheit nehmen wollen, geht es hier um eine psychologische Innenansicht der Figur Jan Haigerer, der auf unterhaltsame Art und Weise erfahren muss, das man ihm die so sehr gewünschte Strafe einfach nicht zugestehen möchte.

Der Höhepunkt dieses Romans sind die Antwortschreiben der jewiligen Verlage, die Haigerers Romanmanusskript ablehnen: “Zynisch, bösartig, ethisch verwerflich und absolut realitätsfremd” sind die vernichtenden Urteile für das Werk, die eigentlich – ironischer Weise – auch als Selbsturteil des Autors für seinen Roman gelten können (ob Herr Glattauer selber schon solche Schreiben von Verlagen erhalten hat?). Aber, und genau das ist sein Kalkül, gehört Glattauer zu solchen Autor, die sich einen psychologischen Roman dieser Art leisten können.

Das Hörbuch, hervorragend lakonisch gelesen von Peter Jordan, zieht den Hörer geradezu hinein in die depressive, sarkastische Weltanschaung des inhaftierten Schreiberlings Haigerer und fesselt seine Hörer bis zur letzten Minute.

Viel Spaß beim nachhören!

 

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 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 1

Spieldauer: ca. 370min. (ungekürzte Lesung)

CDs: 5

Verlag: Hörbuch Hamburg

Erschienen: 2008

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