Depeche Mode von Serhij Zhadan

Sonntag, 28. Februar 2010

Depeche Mode von Serhij Zhadan

Depeche Mode von Serhij Zhadan

Aus aktuellem Anlass, denn am Wochenende ging es zum großen Finale der „Tour of the Universe“ in die Esprit Arena nach Düsseldorf. Aus lauter Vorfreude habe ich unter der Woche zu Serhij Zhadan’s Hörbuchversion des 2008 erschienenen Romans gegriffen, der so heißt wie die englische Synthie-Pop Legende selbst: Depeche Mode. Ich dachte mir: „wo Depeche Mode drauf steht, muss auch Depeche Mode drin sein.“ Und meine Annahmen bestätigte sich… wenn allerdings auch ganz anders als gedacht.

 

 
 
 
 
 


 

Die Ukraine nach dem Zerfall der Sowjetunion


Denn wer glaubt hier Biographisches zur Pop-Gruppe geliefert zu bekommen, dem sei gleich gesagt: Pusteblume. Naja, oder nicht ganz. Aber dazu gleich mehr.
Der Titel des Romans muss mit einem Augenzwinkern verstanden werden. Depeche Mode ist ein postsozialistisches Roadmovie, das den Alltag ukrainischer Jugendlicher in Charkiw (der zweitgrößten Stadt der Ukraine) kurz nach dem Zerfall der Sowjetunion schildert. Zwischen Alkohol, Drogen und Fußball diskutieren vier Freunde über sozialisische Produktionsverhältnisse und philosophieren übers Kiffen und Wodkaschmuggel. Dazwischen kommt es zu allerhand skurriler Szenen. Zum Beispiel bei einem Auftritt eines amerikanischen Erweckungspredigers, dessen Ansprache von einer völlig demotivierten Dolmetscherin aufs herrlichste verhunzt wird oder verschiedene handfeste Auseinandersetzungen mit Polizei und Kleinkriminellen.

 

Die (fast) wahre Entstehungsgeschichte der Pop-Gruppe Depeche Mode


Der – aus meiner Sicht – amüsante Höhepunkt des Ganzen ist eine Radiosendung, in der ein Moderator seine ganz eigene Version der Entstehungsgeschichte der Gruppe Depeche Mode erzählt und u.a. auch Dave Gahans Kindheit schildert.


Der Ich-Erzähler des Ganzen ist der Autor selbst. Zhadan berichtet aus seinem Leben als 19jähriger in einem kaputten Land, über das 1993 der Kapitalismus hereinbricht. Die damit verbunden ernsten sozialen Probleme erhalten bei Zhadan eine ganz eigene Komik. Jetzt bin ich alles andere als ein Osteuropaexperte und bin weit davon entfernt mir ein Urteil darüber zu erlauben, wie nah die Geschichten Zhadans an der Wirklichkeit des ukrainischen Lebens in diesen Jahren dran sind, aber ich darf wohl sagen, das der Roman fesselt und Lust auf mehr Geschichten aus Zhadans Feder macht.


Viel Spaß beim Nachhören!

 

Zur Hörbuchversion:


Das Hörbuch wird von Harry Rowohlt gelesen, den ich immer wieder gerne höre. Also nichts gegen Rowohlt, aber an der einen oder anderen Stelle kam mir doch der Gedanke, ob es nicht mehr zur Authentizität von Depeche Mode beigetragen hätte, wenn ein jüngerer Sprecher von Dog Pawlow und co erzählt hätte. Der Roman scheint durch den Vortrag Rowohlts etwas mehr Komik verliehen bekommen zu haben als nötig war.

 


 

Und für diejenigen unter euch, dennen in diesem Artikel nicht genug Depeche Mode war: Unten könnt Ihr einen Blick ins Konzert in der Esprit Arena vom 26.02.2010 werfen. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich live dabei war…



 

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