Der alte König in seinem Exil von Arno Geiger

Sonntag, 8. Januar 2012

Der alte König in seinem Exil

Der alte König in seinem Exil

Arno Geiger »Der alte König in seinem Exil« über die Fragen: Was ist wichtig? Was macht unser Leben lebenswert? Arno Geiger erzählt von seinem Vater, dem die Erinnerungen langsam abhanden kommen, dessen Orientierung in der Gegenwart sich auflöst. Offen, liebevoll und heiter beginnt er seinen Vater von neuem kennenzulernen; geht mit ihm durch die Landschaft, in der sie beide ihre Kindheit verbracht haben, hört auf seine nur scheinbar sinnlosen und oft so wunderbar poetischen Sätze, erzählt von Gegenwart und Vergangenheit des Vaters und der eigenen Kindheit im Dorf. Toll gelesen von Matthias Brandt!
 

 
 

Der alte König in seinem Exil – Wie umgehen mit Demenz?


In der zutiefst beführenen Geschichte seines Vaters erzählt Arno Geiger von einem Menschen, dessen Vitalität und Klugheit mit der Alzheimerkrankheit nicht verschwindet. Im Alltag ist der Vater oft hellwach, aber seine Vergangenheit, sein Haus und seine Kinder hat er vergessen: Geboren 1926 als drittes von zehn Kindern, die Eltern Kleinbauern in Wolfurt, drei Kühe, ein Obstgarten, ein Acker, ein Bienenhaus. Mit achtzehn Krieg an der Ostfront, mit neunzehn Kriegsgefangenschaft, Krankheit, Lazarett, der lange Rückweg in di eHeimat udn dann der Wunsch, nie wieder wegzugehen aus dem Dorf.

Der Vater baut ein Haus auf dem Hügel, er heiratet. Und mit der Geschichte seines Vaters beginnt Arno Geiger seine eigene Kindheit udn Jugend wiederzuentdecken, all die Jahre, die er in dem Haus auf dem Hügel verbracht hat, in dem Vater jetz mit seinen slowakischen Betreuerinnen lebt.

Arno Geiger schließt nochmals Freundschaft mit dem Vater; er begleitet ihn viele Jahre, versucht, seine oft eigenwillige Sätze zu verstehen, und er entdeckt, dass es in der Person des Vaters alles noch gibt, Charme, Selbstbewusstsein, Witz: “Früher war ich ein kräftiger Bursche, sagt der Vater zu Katharina und mir. Nicht solche Geißlein wie ihr!” Arno Geigers Alter König ist trotz der heftigen Konfrontation mit dem unwiederbringlichen Verlust ein lichtes, lebendiges oft komisches Buch. Und man versteht: Der Mensch bleibt ein Mensch mit seiner Vergangenheit, Eigenheit und Würde.”

 

 

Mein Fazit


Arno Geigers »Der alte König in seinem Exil« ist eine Liebeserklärung an seinen demenzkranken Vater und an das Leben an sich. Die Geschichte vom langsamen Zerfall des Vaters und den Umgang der Familie mit der schleichenden Krankheit, ist einer der anrührensten Texte, die ich überhaupt gelesen gehört habe. Überraschend geistreich, vital, oft auch komisch beschriebt Arno Geiger den Alltag eines Lebens, das immer noch zutiefst lebenswert ist und das sich weniger von dem Unsrigen, die wir uns gesund schimpfen, unterscheidet als wir meinen.

Die – zum Glück – ungekürzte Hörbuchausgabe von »Der alte König in seinem Exil” wird von Schauspieler Matthias Brandt einfühlsam und ruhig vorgetragen, so dass die teilweise wirklich poetisch, schönen Gedankengänge des Vaters richtig wirken können. Ein sensationell schönes Buch, das echte Lebenshilfe für Angehörige bietet und zugleich Trost ist.

Viel Spaß beim Nachhören!

 

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 1

Spieldauer: ca. 255min. (ungekürzte Fassung)

CDs: 4

Verlag: Hörbuch Hamburg

Erschienen: 2011

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