Der Friedhof in Prag von Umberto Eco | Hörbuch Blog: die besten Hörbucher und Hörspiele

Der Friedhof in Prag von Umberto Eco

Sonntag, 13. November 2011

Der Friedhof in Prag

Der Friedhof in Prag

Paris, 1897. Der Italiener Simonini erwacht in einer Pariser Wohnung ohne Erinnerung an die vergangenen Tage. Er beginnt Tagebuch zu schreiben, um sich von seiner Kindheit über die Erlebnisse während des Risorgimento und der Pariser Kommune an die Gegenwart heranzutasten. Doch während er schläft, kommentiert jemand seine Einträge und entlarvt Simonini nicht nur als Fälscher und Agenten, sondern auch als höchst gefährlichen Antisemiten und Mitverfasser der Protokolle der Weisen von Zion.
 

 
 

Der Autor der Protokolle der Weisen von Zion


Die einzige erfundene Person in dieser Geschichte ist der Protagonist Simon Simonini, während jedoch sein Großvater, Hauptmann Giovan Battista Simonini, keine Erfindung ist, auch wenn die Geschichte ihn nur als den mysteriösen Autor eines Briefes an Abbé Barruel kennt.

Alle anderen Personen (bis auf einige Nebenfiguren wie der Notar Rebaudengo oder Meister Ninuzzo) haben wirklich exsistiert und haben gesagt und getan, was sie hier sagen und tun. Das gilt nicht nur für diejenigen, die unter ihren richtigen Namen auftreten (und auch eine Figur wie Léo Taxil, so erfunden sie vielen vorkommen mag, hat wirklich existiert), sondern auch für Figuren, die nur deshalb unter erfundenen Namen auftreten, weil hier um der erzählerischen Ökonomie willen eine einzige (erfundene) Person tut udn sagt, was in der realen Geschichte zwei reale Personen geatn und gesagt haben.

Doch genau betrachtet hat auch Simon Simonini, obwohl Ergebnis einer Collage, in der ihm Dinge zugeschrieben werden, die in Wirklichkeit mehrere verschiedene Personen getan haben, in gewisser Weise existiert. Ja, um es offen zu sagen, er ist immer noch unter uns, so Umberto Eco.

 

 

Mein Fazit


Umberto Eco wollte mit »Der Freidhof in Prag« nicht nur einen Roman mit pädagogischer Botschaft, sondern mit Simonini auch die fieseste, wiederlichste, abstoßenste Figur der Literaturgeschichte schaffen. Ersteres mag schon aufgrund der Fülle an historischen Fakten gelungen sein. Auch wenn die Qualität des Romans hierunter zuweilen leidet (ich hatte beim hören ständig das Bedürfnis mich über die Quellen erkundigen zu wollen und irgendwann stellte sich ein Gefühl von Überforderung ein). Über Zweiteres lässt es sich vortrefflich streiten. Vielen Kritiker war Simonini nicht böse genug bzw. sah die Figur nur zu Beginn des Romans passend dargestellt. Für mich blieb der “Meister der Fälscher” allerdings über 14 CDs blaß und wenig beeindruckend. Insgesamt ist kaum zu glauben, das Ecos neuer Roman den Geschmack einer breiten Masse treffen wird.

Im Hörbuch wechseln sich Gert Heidenreich und die markante Stimme von Jens Wawrczeck mit dem Vortrag der Tagebücher ab. Beide Sprecher haben mir außerordentlich gut gefallen und waren der Grundm weswegen ich 14 CDs lang durchgehalten habe. Die CD-Version in einem ansprechendem Case kommt mit einem kleinen Booklet, das wertvolle Angaben zu den Kapiteln der Tagebucheinträgen bereithält.

Viel Spaß beim Nachhören!

 

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 3

Spieldauer: ca. 993min. (ungekürzte Lesung)

CDs: 14

Verlag: der Hörverlag

Erschienen: 2011

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