Der Turm von Uwe Tellkamp

Montag, 24. Mai 2010

<Der Turm von Uwe Tellkamp

Der Turm von Uwe Tellkamp

Uwe Tellkamp gibt in »Der Turm« Einblicke in ein Dresdener Kleinbürgermilieu der 1980er Jahre. Der größte Teil des Romans begleitet den Protagonisten Christian Hoffmann durch seine Höllenfahrt von der Enklave, der Kindheit im behüteten Bildungsbürgertum, in den Militärdienst und den Strafvollzug. »Der Turm« als Refugium des Intellektuellen in einer feindlichen Umgebung. Gelesen von Sylvester Groth ist Uwe Tellkamps Roman ein solides Hörbuch über das Endstadium eines gescheiterten Systems.
 

 
 

Der Turm – Geschichte aus einem versunkenen Land


Uwe Tellkamp blickt für die Zeit von 1982 bis 1989 in die Villen des Dresdener Turmstraßenviertels und zeigt dessen Bewohner und deren resignierte aber humorvolle Haltung zum schleichenden Niedergang des Gesellschaftssystems der DDR, welcher in den Ereignisssen vom 9. November 1989 gipfelt.

Anne und Richard Hoffmann, sie Krankenschwester, er Chirurg, sowie ihr ältester Sohn Christian (Abiturient) stehen im Konflikt zwischen Anpassung, Aufbegehren und rückwärtsgewandtem Bildungsbürgertum. Christian, der sich bis zum Abitur völlig von seiner Umwelt abschottet und in seine Bücherwelt zurückzieht, bekommt die Härte des Systems während seines drei jährigen Wehrdienstes in der Nationalen Volksarmee (NVA) und später im Strafvollzug zu spüren. Um die schwere Zeit zu überstehen besinnt er sich im geiste immer wieder auf bessere Tage zurück und erinnert sich an Gedichte und Romane aus der Jugendzeit.

Ein Roman über Widerstand und Anpassung in einem ausgelaugten System, oder wie Uwe Tellkamp es ausdrückt, über den Rückzug in die Nische, eine Verteidigungsstrategie des Intellektuellen in einer feindlichen Umwelt.

 

 

Im Jahr 2009 bekam Tellkamp für seinen Roman den Deutschen Buchpreis verliehen. Die Jury begründete ihre Wahl damit, dass Tellkamp wie kein Autor zuvor die Lebensumstände, Redeweisen und Mentalitäten der späten DDR vermittle.

 

Mein Fazit


Tellkamps Roman ist ein interessanter, manchmal etwas steifer Ausflug in die DDR der 1980er Jahre. Zu einem großen Gesellschaftsroman ist er jedoch zu fokussiert und es fehlt die Würze. Fast zwei Drittel des Romans beschäftigen sich mit Christians Militärzeit und der Zeit im Straflager. Hier bietet der Autor dem Leser überwiegend Gedankenströme und Innenansichten Christians.

Der Story aufmerksam zu folgen fällt dem Hörer jedoch leicht, denn Sprecher Sylvester Groth ist ein echter Profi (er wirkte in zahlreichen Hörspielproduktionen mit, u.a. in Combray von Marcel Proust, Otherland von Tad Williams, Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafón oder Der Orientzyklus von Karl May) So spricht er deutlich und angenehm betont Tellkamps eloquenten Text, ohne zu überdrehen. Er schafft es beeindruckend die subtilen Nuancen der verschiedenen ostdeutschen Dialekte fein herauszuarbeiten, was dem Hörer wirklich Spaß macht. Insgesamt ist »Der Turm« solide Hörbuchunterhaltung, welche politische und gesellschaftliche Einblicke in die Späte Deutsche Demokratische Republik gewährt.

 

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch Downloads bei Libri.de

Spieldauer: ca. 584min.

CDs: 8

Verlag: Der Hörverlag

Erschienen: 2009

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