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Der Waldgang von Ernst Jünger

Samstag, 30. Juli 2011

Der Waldgang

Der Waldgang

Ernst Jüngers Nachkriegsbetrachtungen über Freiheit und die Widerstandfähigkeit des einzelnen haben auch heute noch ihre Berechtigung. Als “Magna Charta des zivilen Ungehorsams im Zeitalter der “Parlamentsherrschaft” und “Widerstandsfibel gegen Totalitarismus und Anpassung” beschreibt Ernst Jünger den Waldgang als Weg, neue Formen der Freiheit gegen neue Formen der Macht aufzubieten.
 

 
 
 
 

Wie verhält sich der Mensch angesichts und innerhalb der Katastrohphe?


Das 1951 erschienene Essay »Der Waldgang« von Ernst Jünger in einer ungekürzten Hörbuchadaption aus dem Verlag Edition Apollon. Ernst Jüngers geht darin der Frage nach “Wie verhält sich der Mensch angesichts und innerhalb der Katastrophe?” Als “Magna Charta des zivilen Ungehorsams im Zeitalter der Parlamentsherrschaft” und “Widerstandsfibel gegen Totalitarismus und Anpassung” beschreibt Ernst Jünger den Waldgang als Weg, neue Formen der Freiheit gegen neue Formen der Macht aufzubieten. Die “Waldgänger” sind nach Jünger Menschen, die sich gedanklich unabhängig von der umgebenden Gesellschaft halten und zum Widerstand fähig sind, falls der jeweilige Staat ein verbrecherischer ist oder wird. Der Waldgang gehört dabei mit Über die Linie, Der gordische Knoten, und Der Weltstaat in eine Reihe von Essays, in denen sich Jünger in den Fünfziger Jahren mit der politischen Situation seiner Zeit, insbesondere mit einem drohenden Nihilismus, dem Verlust der Freiheit und dem Ost-West-Konflikt auseinandersetzte.

“Es ist zu einer neuen Konzeption der Macht gekommen, zu starken, unmittelbaren Ballungen. Dem standzuhalten, bedarf es einer neuen Konzeption der Freiheit, die nichts zu schaffen haben kann mit dem verblaßten Begriffen, die sich heute an dieses Wort knüpfen.”

 

Mein Fazit


Jüngers Essay »Der Waldgang« musste bei seinem Erscheinen irritieren, da Jünger das Jahr 1945 gerade nicht als einen Wendepunkt interpretierte, der mit dem Sieg der Alliierten mehr Freiheit gebracht hatte. Er sah vielmehr eine durchgehende Tendenz des ganzen Zeitalters, den einzelnen zu versklaven. Hinzu kam, daß Jünger in der Freiheitsfrage keine Unterscheidung zwischen Ost und West machte. Parlamentarische Demokratie und sozialistische Volksdemokratie wurde als zwei Gesichter derselben Tendenz identifiziert. Wahlen seien so gelenkt, dass keine wirkliche Alternative bestünde und 98 Prozent Zustimmung den Herrschern sicher seien. Die Zahlen von Wahlergebnissen, Umfragen und Statistiken sind laut Jünger bedeutungslos, sie spiegeln die Wahrheit nicht wider. Der einzelne muß sich außerhalb solcher Bezugsgrößen, wie den demokratischen Akten, bewähren, dort, wo andere Ansprüche gestellt werden.

Thematisch sind Ernst Jüngers Nachkriegsbetrachtungen also auch heute durchaus aktuell. Sie annimieren zur Reflektion heutiger Widerstandsformen, z.B. in der Frage nach der Gefährdung der persönlichen Freiheit. Die Wiederstandshaltung des Waldgängers geht aber weiter als der des sich hier im Beispiel empörendenden Wutbürgers, den die Medien z.B. rund um Stuttgart 21 zelebrierten: “Wenn ein Waldgänger Widerstand leistet, steht er damit immer außerhalb der jeweiligen staatlichen Rechtsordnung (…) Er hat also ein Recht zu seinen Handlungen nur in einem ethischen Sinn, nie vor der Rechtsprechung des jeweiligen Staates.” Der Widerstand, den Jünger meint, ist absolut und führt durch Tod, Zweifel, Schmerz und Einsamkeit hindurch. Das sind reißerische Parolen, wie sie einer Neuauflage der RAF Futter lieferen würde, nur handfeste gesellschaftspolitische Lösungsvorschläge lassen Jüngers Ausführungen letztlich vermissen.

Das ungekürzte Hörbuch auf 3 CDs wird souverän gesprochen von Thomas Arnold. Das geschmackvoll egstaltete Case kommt mit einem kleinen Booklet mit Zusatzinformationen zur Biographie des Autors und des Sprechers. Insgesamt eine hörenswerte Produktion für politisch und philosophisch Interessierte.

Viel Spaß beim Nachhören!

 

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 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 2

Spieldauer: ca. 200min. (ungekürzte Lesung)

CDs: 3

Verlag: Edition Apollon

Erschienen: 2011

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