Die Enden der Welt von Roger Willemsen

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Die Enden der Welt von Roger Willemsen

Die Enden der Welt

Das Hörbuch »Die Enden der Welt« von Roger Willemsen zeigt uns, dass das viel zitierte Ende der Welt überall und nirgends sein kann. Das können Orte sein aber auch Momente und Situationen, in denen die Welt in uns endet. Ob am Nordpol, am Krankenbett in Minsk oder in einem verdreckten Bordell in Bombay. Roger Willemsen ist eine Reisereportage jenseits des Reiseführergenres gelungen, die wirklich hörenswert ist.
 

 
 
 

Roger Willemsen unterwegs auf fünf Erdteilen


Roger Willemsen hat sich auf die Suche nach seinen ganz persönlichen Enden der Welt begeben. Manchmal waren es die großen geographischen: Patagonien, der Himalaja, die Südseeinseln von Tonga, der Nordpol. Manchmal waren es aber auch ganz einzigartige, individuelle Endpunkte: ein Bet in Minsk, eine Bar im isländischen Isafjödur, ein Fresko des jüngsten Gerichts in Orvieto.

Immer aber geht es in diesen literarischen Reisebildern auch um ein Enden in anderem Sinn: um ein Ende der Liebe und des Begehrens, der Illusionen, der Ordnung und Verständigung, um das Ende des Lebens – und um den Neubeginn.

 

 

Roger Willemsens Definition von einem Weltende


Willemsen definiert seine Weltenden nicht primär geographisch, obgleich er den Nordpol gerne als sein Weltende schlechthin angibt. Laut Willemsen ist ein Weltende öde und wüst. Unbehauste Menschen leben dort weit von einander entfernt, müssen große Strecken überwinden bis sie zu einem Nachbarn kommen. Die Natur scheint sich an diesen Orten vom Menschen abgewendet zu haben.

Doch will Willemsen mit seinem Buch andere, tiefer liegende Enden der Welt zeigen. Er zeigt Situationen und Momente, in denen die Welt in uns endet: das kann das Ende der Liebe sein, das Ende der Hoffnung oder das Ende des Lebens. Die Enden der Welt sind überall und nirgends.

 

Mein Fazit


Ich kann mir keinen eloquenteren Reiseführer als Roger Willemsen vorstellen. Die Detailschärfe mit der er Orte und Situationen beschreibt ist phänomenal. Sprachfetischisten werden an der Prosa des Autors in »Die Enden der Welt« ihre Freude haben, zumal Willemsen an passenden Stellen immer wieder seinen feinen Sinn für Humor durchblitzen lässt. Der Willemsen-Sound klingt bei der Ankunft an einem öden Morgen in Moskau z.B. so:

“In diesem Juli trägt die Stadt November. Ein läppischer, kühler Nieselregen geht über Moskau nieder und unter dem fahlen Schweinehimmel ergrauen selbst die farbenfrohen, amphitheatralisch verschachtelten Siedlungen des Speckgürtels, die Drusen der Billigbauten des Stadtrands, der ganze menschliche Ameisendom. In den Zwischenräumen aber thronen die Vestalinen der Likör- und Handyreklamen, und herrschen. Auf den Straßen unter ihnen zirkulieren die verhärmten, wenn nicht verrohten Gesichter der neuen Proletarier oder der Alten, die sich noch erinnern wie es war als die Politik in ihrem Namen sprach.”

 

Andererseits sollte man dieses Buch jedoch nicht als Touristenführer falsch verstehen. Im Fokus dieses Buches stehen die persönlichen Eindrücke und Empfindungen des Autors. Das Hörbuch auf 6 CDs wird darum auch von Willemsen selbst gelesen und verschafft dem Hörer das richtige Verständnis für das geschriebene gesagte. Mich hat es jedenfalls zu jedem Zeitpunkt gefesselt.

Vom Maschinentelegraphen auf dem Titelcover bis zum umfangreichen Booklet auf 28 Seiten mit ausführlichem Interview: ein Hörbuchkauf, der sich lohnt.

Viel Spaß beim Nachhören!

 

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 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 3

Spieldauer: ca. 426min. (gekürzte Lesung)

CDs: 6

Verlag: Roof Music

Erschienen: 2010

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