Die lymphatersche Formel von Stanislaw Lem

Dienstag, 9. März 2010

Die lymphatersche Formel von Stanislaw Lem

Die lymphatersche Formel von Stanislaw Lem

Habt Ihr schon mal darüber nachgedacht, warum wir Menschen wenn wir auf die Welt kommen alles Wissen mühsam erlernen müssen? Warum kann das Wissen unserer Eltern nicht mit der Zeugung einfach an uns weiter gegeben werden? Ein toller Gedanke, auf die Welt zu kommen und sofort alles zu können, alles Wissen der Menschheit direkt zum Lebensstart mit auf den Weg zu bekommen. Stanislaw Lem denkt uns diese Möglichkeit in Die lymphatersche Formel vor.

 

 
 
 
 
 

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Stanislaw Lem liefert uns in Die lymphatersche Formel einen beeindruckenden Denkansatz. In einer Art Ich-Erzählung (eigentlich ist es ja ein Gespräch zwischen zwei Wissenschaftlern in einem Cafe, aber man hört nur Lymphater), schildert der Wissenschaftler Lymphater seinem Gesprächspartner und uns sein Lebenswerk.



 

Die Thematik von Die lymphatersche Formel


Der verarmte Wissenschaftler Lymphater hat sein ganzes Leben einer Forschungsfrage untergeordnet: Was hat die Natur nicht bauen können, um Gedächtnis- und Lerninhalte weiterzugeben? Um diesem Rätsel auf die Spur zu kommen opferte er seine Karriere und wendete sich privaten Studien zu. Dabei stößt er auf eine Amazonasameise, die den Schlüssel zur Lösung dieser Frage zu sein scheint. Lymphater will den Biochemischen Stoff dieser Ameise auch auf den Menschen anwenden. Auf dem Höhepunkt seiner Studien konstruiert er einen künstlichen Menschen, dem durch seine Entdeckungen besondere Fähigkeiten verleiht. Das Wesen kann Gedankenlesen und besitzt nahezu übernatürliche Kräfte, wie Telekinese. Von seiner Schöpfung geschockt, zerstört Lymphater das Wesen und irrt in der Welt herum um zu verhindern, dass ein anderer Wissenschaftler, der die gleiche Entdeckung macht, sein Experiment wiederholt.

 

 

Auf den ersten Blick sind Parallelen zu Mary Shelleys Frankenstein offensichtlich. Allerdings hat Lem eine ganz andere Herangehensweise an die Thematik, einen anderen Stil. Nicht nur das sein Wesen anders geartet ist, weil es eine Optimierung des Menschen darstellt. Lem war immer bemüht mit seiner Science-Fiction möglichst nah an der realen Wissenschaft zu bleiben. Inwieweit ihm das gelingt vermag ich nicht zu beurteilen, dafür kenne ich mich auf diesem Terrain zu wenig aus. Es hat aber den Effekt, dass es seine Texte für manche schwer zugänglich macht, da auch die Sprache von vielen Fachbegriffen geprägt ist. Dennoch finde ich die Idee alleine so spannend, das aufmerksames Zuhören und Mitdenken nicht schwer fallen.



 

Zur Hörbuchversion:


Das Hörbuch ist eine Produktion des WDR aus dem Jahre 1973. In gedruckte Form erschien die Geschichte bereits 1971 in Lems Erzählband „Nacht und Schimmel”. Der Audio Verlag legte das Hörbuch 2004 neu auf. Ich habe das Buch leider selber nicht gelesen (noch nicht) aber wie ich anderen Quellen entnehmen durfte, soll das Hörbuch leicht gekürzt sein. Sprecher ist Theaterschauspieler Martin Held (*1908 – † 1992) auch bekannt aus zahlreichen Spielfilmen, der hier eine beeindrucken Darbietung hinlegt.



 

Hier eine Kostprobe von Martin Helds Können


Als kleine Kostprobe seiner Sprechkunst habe ich eine Held-Rezitation des Heine Gedichtes “Sie saßen und tranken am Teetisch” für Euch gefunden:



 

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