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Die Ökonomie von Gut und Böse von Tomas Sedlacek

Mittwoch, 1. August 2012

Die Ökonomie von Gut und Böse

Ökonomie: Gut und Böse

Der tschechische Top-Banker Tomas Sedlacek erklärt anhand von 4000 Jahren Menschheitsgeschichte, wie tief die Ökonomie in unserer Kultur verwurzelt ist. Wie schon Joseph einst dem Pharao riet, in den sieben fetten Jahren Vorräte für schlechte Zeiten anzulegen, so mahnt Sedlacek zum Abbau von Schulden in guten Konjunkturphasen. Mäßigung benennt er als erstrebenswertes Ziel. Ein aufschlußreiches Hörbuch zu einem hochaktuellen Thema, gelesen von Frank Arnold.
 

 
 
 

Die Ökonomie von Gut und Böse


Die meisten unterschätzen, wie tief die Ökonomie in der Kultur verwurzelt ist. Nicht so Tomas Sedlacek. Er behauptet: “In der Ökonomie geht es um Gut und Böse. Es geht um Menschen, die Menschen Geschichten über andere Menschen erzählen. Selbst das ausgefeilteste mathematische Modell ist eine Parabel, eine Geschichte, mit der wir die Welt um uns herum zu begreifen versuchen.” Sedlacek erschüttert unseren Begriff von Wirtschaft wie wenige vor ihm. Sein Buch ist ein faszinierender Gang durch die Welt der Ökonomie – vom Gilgamesch-Epos über das Alte Testament und Adam Smith bis zur Wall Street und zur Wirtschaftskrise. Und ganz nebenbei erfahren wir, warum die Sprache der Wirtschaft, die Mathematik, nicht wertfrei und kühl ist, sondern schön und sogar verführerisch…

 

 

Über den Autor und den Spercher: Tomas Sedlacek und Frank Arnold


Tomá Sedlácek lehrt an der Prager Karls-Universität, ist Chefökonom der größten tschechischen Bank und Mitglied des Nationalen Wirtschaftsrats in Prag. Während der Amtszeit des tschechischen Präsidenten Václav Havel arbeitete er als dessen Berater. Er ist ein gefragter Radio- und Fernsehkommentator. Frank Arnold, bekannter Schauspieler und Rundfunksprecher, lebt in Berlin. Er hat auch den Briefwechsel zwischen dem Verleger Unseldt und dem Schriftsteller Uwe Johnson gesprochen.



 

 

Mein Fazit


Tomas Sedlaceks Die Ökonomie von Gut und Böse ist ein unkonventioneller Blick auf eine für geläufig als langweilig verpönte Wissenschaftsdisziplin. Es ist eine philosophische Wanderung durch die Geschichte. Ausgehend von Gilgamesch über das Alte Testament und das antike Griechenland, schreitet er auf den Fersen Descartes, Mandevilles und natürlich Adam Smith.

Sedlacek predigt nicht mit erhobenem Zeigefinger sondern geht intelligent, den essentiellen Fragen nach: Was ist Ökonomie? Welchen Zweck hat sie? Woher kommt diese “neue Religion”? Welche Möglichkeiten bringt sie mit und welche Grenzen? Und warum sind wir so stark auf ständiges Wachstum fixiert? Dazu blickt der Autor über den Telelrrand, indem er immer wieder die Disziplinen Geschichte, Philosophie und Psychologie zu dessen Beantwortung heranzieht.

Sedlacek sucht und findet klassische Mythen in der modernen Ökonomie. Den Mythos vom Homo oeconomicus, dem immerwährenden Fortschritt oder der Idee der unsichtbaren Hand des Marktes. Quer durch die Kulturgeschichte vergleicht er das Verhältnis von Nutzen und Moral – quasi auf einer Achse von Gut und Böse. Sein Fazit: Die Ökonomie hat sich heute fast gänzlich von der Moral verabschiedet. Zwei Extreme stellt er auf: Immanuel Kant als Repräsentanten einer heiligen Moral und Bernard Mandeville als zynischen Vertreter einer von Lastern vorangetriebenen Gesellschaft. Zwei Pole der westlichen Kultur.

Bereits die Griechen stritten über den Lohn für gutes Handeln. Aristoteles und die Stoiker sahen die Belohnung für eine gute Handlung in der Richtigkeit der Handlung selbst. Epikur, der erste Hedonist, bemisst hingegen das Gute einer Handlung rein an ihrem Nutzen. Der Zweck heiligt die Mittel. Die Lehren des alten und neuen Testaments liegen irgendwo dazwischen. Die Mainstream-Ökonomie ordnet Sedlacek noch hinter den Hedonisten an: Der freiwillige Verzicht zum Wohle des Ganzen ist der heutigen Wirtschaftsphilosophie völlig fremd. Die unsichtbare Hand soll es richten, persönliche Laster in Gutes umzuwandeln.

Unsere Ära könnte als Zeitalter der Schulden in die Geschichte eingehen. Schulden, nicht aus Mangel entstanden sind, sondern aus dem Übermaß. Unsere Gesellschaft leidet keinen Hunger – wir müssen ein anderes Problem lösen: Wie kann man jemanden, der satt ist, für ein Mahl interessieren?

Wer trockene ökonomische- oder wirtschaftspolitische Theorie sucht mit Tomas Sedlaceks Werk wenig anfangen können. Wer jedoch bereit ist, sich auf einen unterhaltsamen Trip anhand vieler Anekdoten und kleiner Geschichten durch die Geschichte des Wirtschaftens zu begeben und moralische und ethische Ansatzpunkt nicht scheut, der bekommt mit Die Ökonomie von Gut und Böse eine Intelligente Sichtweise auf das Thema serviert. Dieses Hörbuch lohnt sich!

Viel Spaß beim Nachhören!

 

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 2

Spieldauer: ca. 447min. (gekürzte Lesung)

MP3-CDs: 6

Verlag: Audiobuch

Erschienen: 2012

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