Die Seelen im Feuer von Sabine Weigand

Montag, 2. Mai 2011

Die Seelen im Feuer

Die Seelen im Feuer

»Die Seelen im Feuer« von Sabine Weigand ist ein solide recherchierter historischer Roman über den Höhepunkt der Hexenverfolgungen. Mitte des 17. Jahrhundert tobt der religiöse Wahn in Süddeutschland: Politische Machtspielchen und blanker Fanatismus halten das kleine Städtchen Bamberg in Atem. Mittendrin die Protagonistin, die junge Apothekertochter Johanna. Das Hörbuch, gelesen von Birgitta Assheuer, ist eine Fundgrube für historisch Interessierte und kein aktiongeladener Hollywoodstreifen. Sehr hörenswert!
 

 
 

Deutschland zur Zeit der Hexenverbrennungen


Deutschland, im Jahre des Herrn 1626. In Frankreich begründet René Descartes den modernen Rationalismus, in Holland preisen lebensfrohe Maler wie Rembrandt auf opulenten Gemälden die Freuden des diesseitigen Lebens. Währenddessen lodern hierzulande die Scheiterhaufen munter weiter. Während sich die Welt für die Segnungen der Neuzeit rüstet, versinkt Deutschland durch seine Hetze auf vermeintliche Ketzer und Hexen immer noch im tiefsten Mittelalter. Das Schrecklichste dabei: Jeden kann es treffen. Einmal bei Nachbarn, Unergebenen oder politischen Gegnern in Ungnade gefallen zu sein, reicht völlig aus.

So ist es auch in Bamberg. Hier lebt die Apothekertochter Johanna, deren Leben zunächst in glücklichen Bahnen zu laufen scheint. Der Hilfsschreiber Hans hat um ihre Hand angehalten, und auch, wenn er sich mit der Heirat Zeit lassen will, bis er Johanna ein besseres Leben bieten kann, scheint ihre Zukunft dadurch doch gesichert. Aber dann kommt der junge Cornelius in die Stadt zurück. Und der Fürstbischof von Bamberg macht sich einen Spaß daraus, durch den Verrat von einfachen Bürgern und Ratsmitgliedern an die Inquisition seine Macht weiter zu festigen. Auch Johanna und Cornelius werden hineingezogen in den teuflischen Strudel aus Aberglaube und Herrschaftswahn. Immer enger zieht sich die Schlinge, bis es plötzlich kein Entrinnen mehr zu geben scheint. Oder kommt letztlich doch noch Rettung von der römischen Kurie, sprich: vom Papst? Und: Gibt es Hoffnung auf einen Neuanfang, vielleicht sogar zu zweit?

 

Mein Fazit


Zugegeben, ich bin ein Muffel wenn es um historische Romane geht. Meistens stellt sich die Frage nach der geschichlichen Glaubwürdigkeit der Handlung, fast immer mangelt es an Authentizität, besonders die Wortwahl der Akteure gibt zu denken. Es halt schwer sich in eine Zeit 4 oder 5 hundert Jahre vor der unsrigen zu denken, und das Denken und alltägliche Handeln nachzustellen. Historical correctness geht oft in übertriebener Effekthascherei unter.

Bei »Die Seelen im Feuer« von Sabine Weigand ist das von der ersten Minute an anders. Ihr ist ein sehr sachlicher, authentischer Roman gelungen, der auf überdrehte Effekte gänzlich verzichtet. Das dabei kein plumpes Unterhaltungskino heraus kommt ist klar. Actionfreunde werden sich hier also langweilen. Schaudern erwecken hier nur die geballten Tatsachen auf denen dieser Roman beruht.

Weigand zeigt die politischen Interessen der Inquisition genauso wie die sadistische Lust ihrer Volterknechte. Auf dem Höhepunkt der Hexenverbrennungen ist jeder Bürger in Bamberg der blanken Willkür der Mächtigen ausgesetzt. Die Aktualität von Bürgerrechten udn Antiterrorgesetzen brauche ich in diesem Zusammenhang eigentlich nicht mehr erwähnen. Eine sehr schöne mehrteilige Dokumentation zum Thema Hexen und Zauberer habe ich über die Feiertage auf Phoenix verfolgt. Reinschauen lohnt sich!

 

 

Die Sprecherin des Hörbuchs, Birgitta Assheuer, trägt die Geschichte überzeugend, teilweise, der Sachlichkeit dieses Romans angemessen, unaffektiert und kühl vor.

»Die Seelen im Feuer« von Sabine Weigand ist ein rund um tief recherchiertes historisches Hörbuch für historisch interessierte, nicht für Unterhaltungssüchtige. Gutes Hörbuch!

Viel Spaß beim Nachhören

 

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 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 2

Spieldauer: ca. 415min. (gekürzte Lesung)

CDs: 6

Verlag: Argon Verlag

Erschienen: 2009

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