Die wunderbaren Falschmünzer von Rolf Vollmann

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Vollmanns Falschmünzer

Vollmanns Falschmünzer

»Die wunderbaren Falschmünzer« ist ein umfangreicher Romanführer, der in der Printausgabe in chronologischer Reihenfolge nicht nur mit über 1000 Romanen vertraut machen sondern vorallem zum Lesen verführen will. Die vom Autor selbst gelesene, stark abgespeckte Hörbuchversion kann zwar leider nur einige wenige Höhepunkte aus dem über 1000 Seiten umfassenden Buch wiedergeben, macht aber Lust auf mehr.
 

 
 
 

Rolf Vollmanns Roman-Verführer


Rolf Vollmanns Romanverführer, als tausendseitiger Taschenbuchwälzer 1997 ermalig erschien ist mitlerweile ein moderner Klassiker. Er ist nicht nur ein umfangreicher Romanführer, der uns in chronologischer Reihenfolge mit über 1000 Romanen vertraut macht, sondern auch ein glänzender Verführer, der einfach die Lust zum Lesen beflügelt. Kenntnisreich und mit allerlei biographischen wie thematischen Bemerkungen versehen, schickt uns Vollmann auf eine subjektive Lesereise, die um so spannender ist, weil der Autor, jenseits von literaturwissenschaftlichen oder literaturhistorischen Urteilen, einzig und allein aus der Perspektive des Lesehungrigen heraus beschreibt. Hier zählt nicht, was Epoche machte, sondern was gefällt.

Und so lobt Vollmann das, was erzählerisch überzeugt oder rät ab, wo das Lesevergnügen entschieden getrübt wird, auch wenn es sich dabei um Werke namhafter Autoren handelt. Aber Vollmann ist nicht nur ein Literaturkenner, wie er im wahrsten Sinne des Wortes im Buche steht, sondern gleichzeitig auch ein umsichtiger Erzähler, und so verzichtet er, seinen eigenen Lesekriterien treu bleibend, auch auf den sonst üblichen nüchternen Lexikonstil zugunsten der erzählenden Form. Man kann Die wunderbaren Falschmünzer deshalb auch als Roman der Romane bzw. Buch der Bücher bezeichnen, denn so lust- und humorvoll und mit so viel erzählerischer Wucht hat sich wohl vor ihm noch keiner diesem ansonsten eher trockenem Sujet genähert. Und weil man sich gleichermaßen informiert wie unterhalten fühlt, ist Vollmanns Romanverführer ein ebenso brauchbares wie vergnügliches Buch. Am Ende aber muß ein Vollblutleser wie Vollmann natürlich melancholisch werden, angesichts der Tatsache, daß er nie alle guten Romane wird lessen können und viele gute Werke fragmentarisch geblieben sind, weil ihre Autoren zu früh verstarben. Aber auch hier schenkt Vollmann sich und all jenen, denen es ähnlich geht, neue Hoffnung: “Sollten wir aber in den Himmel kommen, dann muß Jean Paul uns seinen Kometen zu Ende erzählen, und was ihm da oben sonst noch eingefallen ist.”

 

 

Mein Fazit


»Die wunderbaren Falschmünzer« vom, wie Denis Scheck ihn nennt “Kolumbus auf dem Meer der Literatur”, Rolf Vollmann, hier in einem stark gestauchten Hörbuchversuch. Die Formulierung “Autorenlesungen einger weniger ausgewählter Textpassagen” trifft es eigentlich genauer. Eine Herausgabe einer kompletten Lesung des 1081 Seiten umfassenden Roman-Verführers würde auch jeden Rahmen sprengen.

Schließlich soll diese Lesung auch nur Lust aufs weiterlesen machen, ob in Vollmanns Buch oder grundsätzlich. Beeindruckend ist nicht nur der literarische Horizont sonder besonders auch die Sprache des Autors. Liebhaber des gepflegten Tons werden ihre Freude an Vollmann haben. Aber auch Nicht-Germanisten, die einen Ausflug in die Literaturgeschichte der Romantik wagen wollen, werden heir auf ihre Kosten kommen. Wer von dieser Lesung angefixt wird, dem empfehle ich unbedingt die Taschenbuchversion der Falschmünzer.

Der im Video vorgestellte Dürer-Verführer (oder die Kunst, sich zu vertiefen) findet Ihr hier.

Viel Spaß beim Nachhören!

 

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 3

Spieldauer: ca. 125min. (stark gekürzte Fassung)

CDs: 2

Verlag: Eichborn

Erschienen: 2001

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