Eden von Stanislaw Lem

Donnerstag, 15. April 2010

Eden von Stanislaw Lem

Eden von Stanislaw Lem

Chance verschlafen! Stanislaw Lems Roman »Eden« über ein Astronautenteam, das auf einem unerforschten Planeten strandet und dort eine unter Tyrannei und Unterdrückung leidende Lebensform antrifft, hatte ich eigentlich als ideenreiche und vielschichtige Story in Erinnerung. Dem Hörbuch kann aber getrost das Etikett: „Verrichten Sie keine schweren Arbeiten während des Hörens!“ verliehen werden. Warum man hier lieber zum gedruckten Buch greifen sollte, erfahrt Ihr hier.
 

 

Stanislaw Lem „Eden“ – Die Handlung


Ein Raumschiff mit Erdenbewohner strandet auf einem unerforschten Planeten. Auf ihren Erkundungsfahrten entdeckt die Crew eine fremdartige Welt, die offenbar von intelligenten Lebewesen bevölkert wird, die so genannten »Doppelts«.

Die Doppelts verfügen über eine hochentwickelte technische Zivilisation, die Flugmaschinen, elektrische Schrift und eine rätselhafte „Mechanochemie“ umfasst. Die Astronauten werden entdeckt und mittels einer kristallenen Mauer eingeschlossen, die sie jedoch mittels ihrer Atomwerfer zerschneiden, um daraus Material für die Raumschiffreparatur zu gewinnen.

Gegen Ende ihres Aufenthaltes kommt es zu einem ersten »Kontakt« mit einem Doppelt-Wissenschaftler, der in mehrfacher Hinsicht tragisch verläuft: zum einen ist der Doppelt durch die Passage einer radioaktiv kontaminierten Mauerlücke todgeweiht, zum anderen erfahren die Astronauten bruchstückartig von einer perfiden Diktatur, die ihre eigene Existenz verleugnet und die Bevölkerung genetischen Manipulationen unterzieht.



 

Starkes Buch – schwache Hörbuchumsetzung


Lem ist für mich einer der intelligentesten Scince-fiction-Autoren. Seine Romane, deren Vielschichtigkeit ihren Reiz ausmachen, bieten ein ganzes Universum an Ideen an. So auch Eden. Lem greift nicht nur die Frage nach dem Umgang des Menschen mit unerforschten Welten auf, sondern stellt auch eine Kritik gegen totalitäre Herrschaftssysteme da.

So begeistert ich von dem Buch war als ich es vor Jahren las, so enttäuscht bin ich von der Hörbuchadaption. Bereits vor Monate hatte ich zu einem ersten Durchhören angesetzt und habe die Kopfhörer dann irgendwann bei Seite gelegt weil ich mich nicht auf den Text konzentrieren konnte. Dann wollte ich es noch einmal wissen und musste mich wirklich zwingen die sechs CDs durchzuhalten.

Athmosphärisch gibt das Hörbuch schon wenig her, denn auf Geräusche oder Hintergrundmusik wurde (bis auf ein paar einleitende Klänge zu Beginn einer jeden CD) fast gänzlich verzichtet. Sprecher Jochen Striebeck gibt Lems anspruchsvollen Text dann leider den Rest. Striebecks Vortrag bleibt das gesamte Hörbuch über blass und leidenschaftslos, selbst wenn der Text es hergeben würde.

Zudem ist Eden das erste Hörbuch in zehn Jahren, das mich technisch schockiert hat. Wie ist es bei einer professionellen Produktion möglich, dass der Verlag vergisst die Versprecher rauszuschneiden???



 

Dann lieber zum gedruckten Buch greifen


Wer sich wirklich für Lem interessiert, dem sei empfohlen im Fall Eden lieber das gedruckte Buch zu kaufen. Wer Lem als Hörbuch oder Hörspiel genießen will sollte lieber auf Solaris, Die Mondnacht oder Die lympatehrische Formel zurückgreifen.



 

Spieldauer: ca. 466min.

CDs: 6

Verlag: Langen/Müller Audio-Books

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