Emmy Hennings – Das Märchen ist zu Ende

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Emmy Hennings

Emmy Hennings

Rastlos, heimatlos, vielseitig begabt, naiv, melancholisch und stets selbstreflektierend verdichtete sie ihr Leben als Tänzerin, Schauspielerin, Dichterin, Autorin (u.a. für „Simplicissimus“), Morphinistin, Gelegenheitsprostituierte, Revoluzzerin und früher Bohemien zwischen Berlin, München und Zürich in einer schieren Sucht nach Leben als Abenteuer. Emmy Hennings Lebensgeschichte bewegt den Hörer. Dargestellt in einer Hörcollage aus Texten, Prosa, Lyrik und Briefen.
 

 
 
 

Annäherungen an Emmy Hennings


“So einzigartig erscheint mir jeder Mensch für sich, und gerade um allen dienbar zu sein, darf er seine Gesichtszüge, seine Weltanschauung nicht so sehr verwischen und verallgemeinern lassen, daß sein Leben unkenntlich und unscheinbar wird.”


Geboren 1885 (unter dem Namen Emma Maria Cordsen), in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, heiratet sie mit 19 Jahren den Schriftsetzer und Laienschauspieler Joseph Paul Hennings. Nach ihrer Scheidung 1907 zieht Emma Hennings als Schauspielerin und Hausiererin durch das In- und Ausland (u.a. Odessa, Moskau, Budapest).

Als Gefährtin und oftmals Geliebte vieler Künstler, u.a. Erich Mühsam, Joachim Ringelnatz, Johannes R. Becher, Ernst Bloch, Georg Heym, Kurt Wolff und Walter Benjamin legt sie an der Seite Hugo Balls mit der Gründung des “Cabaret Voltaire” in Zürich den Grundstein zur Schaffung des Dadaismus und findet erst Ruhe in der späten Freundschaft zu Hermann Hesse, ihrer selbstgewählten Heimat im Schweizer Tessin und der Zuwendung zum katholischen Glauben.

“Ich finde es unanständig, vorsichtig zu leben, ich kann es nicht.”


Auf drei 3 CDs vollzieht der Hamburger Regisseur udn Künstler Karmers unter Mitarbeit von 15 Sprechern eine fragmentarische Annäherung an das “Verdichtungswunder” Emmy Hennings.

 

 

Mein Fazit


Ein Hörbuch, vielseitig und abwechslungsreich, wie das Leben der Emmy Hennings. Die Lebensgeschichte der Künstlerin, unterteilt in drei Abschnitte, die gleichsam Stationen im Leben Emmy Hennings darstellen: Berlin, München, Zürich.

Die Vielzahl der Sprecher, die jeweils in eine Rolle schlüpfen (z.B. Uwe Friedrichs als Hermann Hesse oder Frank Roder als Erich Mühsam) verleihen den Vorgetragenen Gedichten, Briefen und Korrespondenzen die richtige Dynamik. Ella Endlich sticht, nicht nur weil sie den Part Emmy Hennings spricht, hierbei besonders hervor.

 

 

Generell fällt das Soundarrangement dieser Produktion besonders positiv auf. Mit Songs von Künstlern wie Parov Stelar, Sven Panne, Wolfgang Müller oder Sasa Jansen (im Video oben) werden die Emotionen der verletzlichen, melancholisch selbstzerstörerischen Koryphäe Emmy Hennings mitreißend eingefangen. Hörenwert!

Viel Spaß beim Nachhören!

 

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 2

Spieldauer: ca. 176min. (ungekürzte Lesung)

CDs: 3

Verlag: Edition Apollon

Erschienen: 2012

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