Ewig Dein von Daniel Glattauer

Montag, 13. Februar 2012

Ewig Dein von D. Glattauer

Ewig Dein von D. Glattauer

In seinem neuen Hörbuch, »Ewig Dein«, beweist Bestseller Autor Daniel Glattauer das Liebe weh tut. Irgendwo zwischen Liebesgeschichte und psychologischem Roman, zwischen Kitsch und Psychothriller verliebt sich Hannes in Judith. Was als Erfüllung ihrer Träume beginnt endet für Judith bald im Alptraum, denn Hannes kann sie nicht mehr loslassen. Von der Liebe Hannes erdrückt landet Judith am Ende sogar in der Psychatrie. Gelesen von Andrea Sawatzki.
 

 
 
 

Wie viel Liebe kann man ertragen?


Thriller, Unterhaltungsliteratur oder anspruchsvoller Roman? Der neue Roman von Daniel Glattauer gibt Rätsel auf. Zum Inhalt: Im Supermarkt lernt Judith, Mitte Dreißig und Single, Hannes kennen. Kurz darauf taucht er in dem edlen kleinen Lampengeschäft auf, das Judith führt. Hannes, Architekt, ledig und in den besten Jahren, ist nicht nur der Traum aller Schwiegermütter – auch Judiths Freundeskreis ist restlos begeistert von diesem zielstrebigen Mann, der nur sie im Kopf zu haben scheint. Aber nach und nach empfindet sie seine ständigen Liebesbeweise und seine intensive Zuwendung als erdrückend. Er verfolgt sie bis in ihre Träume, und wenn sie aufwacht, wartet er schon wieder auf sie, um ihr Gutes zu tun…

Der Meister der Trivialliteratur begeisterte die Leser in Romanen wie Gut gegen Nordwind, Alle sieben Wellen oder in dem Krimi Darum.

 

 

Mein Fazit


»Ewig Dein« wirkt so als konnte der Autor sich nicht entscheiden was für ein Buch er schreiben wollte: Liebesroman, psychologischer Roman oder Thriller? Das wäre nicht so schlimm, da uns somit zumindest ein weiterer Regionalkrimi mit Dorfermittler erspart bleibt. Aber irgendwie ist das Ganze nicht rund. Auf der ersten CD wird der Hörer unter einer Lawine – bald schon unerträglichem – Kitsch verschüttet. Dadurch das Hannes so unglaublich blind vor Liebe ist, und das auf eine dermaßen selbstlose aber aufdringlichen Art und Weise, wird die Geschichte aber irgendwie auch unterhaltsam. Es entstehen skurrile Szenen, z.B. wenn der überschwängliche Hannes auf Judiths depressiven Bruder Ali trifft.

Hannes nervt die Leser ungemein, bleibt aber auch nachdem die Stimmung gekippt ist, und Judith sich von ihm trennt, leider nur nervig und für einen Thriller eher harmlos und unbedrohlich. Fast möchte man Mitleid mit ihm haben. Daher fragt sich der Leser Hörer lange Zeit, worauf der Autor eigentlich hinaus will: geht es von nun an um die angeschlagene Psyche Judiths? Ja und Nein, den für einen psychologischen Roman dringt die Story eigentlich nicht tief genug in die Persönlichkeiten der Protagonisten ein. Das Publikum kann sich kaum ein Bild des Innenlebens der Figuren machen. Zwar beschriebt Glattauer im Stile eines Roman Polanskis die eine oder andere Traumsequenz Judiths (und das so gekonnt – das man sie sich sehr gut auf der Leinwand vorstellen könnte), doch ist das alles nie wirklich fesselnd. Gegen Ende versucht Glattauer dann den Twist zum Psychothriller, was eher wie eine Verlegenheitswendung der Geschehnisse wirkt. Die Auflösung des Geheimnisses um Hannes ist von einer Geschwindigkeit und einer Unglaubwürdigkeit, wie man sie sonst nur aus schlechten Tatort-Folgen kennt.

Andrea Sawatzki trägt das gekürzte Hörbuch engagiert und mit Elan vor. Allerdings klingt das Wienerisch teilweise eher nach tiefstem Allgäu denn nach Schmäh. Was bleibt ist ein Roman im luftleeren Raum, ganz nett aber auch nicht wirklich ein gutes Hörbuch.

Viel Spaß beim Nachhören!

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 3

Spieldauer: ca. 313min. (gekürzte Lesung)

CDs: 3

Verlag: Hörbuch Hamburg

Erschienen: 2012

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