Freiheit von Jonathan Franzen

Dienstag, 27. Dezember 2011

Jonathan franzen: Freiheit

Jonathan Franzen: Freiheit

Patty und Walter Berglund – Vorzeigeeltern und fast schon ideale Nachbarn – geben plötzlich Rätsel auf: Ihr halbwüchsiger Sohn zieht zur Proletenhaften republikanischen Familie nebenan, Walter lässt sich zum Schutz einer einzigen Vogelart auf einen zwielichtigen Pakt mit der Kohleindustrie ein, und Patty, Ex-Sportlerin und Eins-a-Hausfrau, entpuppt sich als sonderbar. Auf einmal lebt Patty ihre kühnsten Träume, führt ein Leben ohne Selbstbetrug. »Freiheit« das neue Familienepos von Jonathan Franzen, herausragend gelesen von Ulrich Matthes.
 

 
 

Freiheit – aus dem Leben der amerikanischen Mittelschicht


Jonathan Franzen ist ein Autor, der sich die Freiheit herausnimmt, sich Zeit zu lassen. »Freiheit« ist sein erster Roman seit seinem Welterfolg “Die Korrekturen” (2001). Nicht weniger hat Franzen mit Freiheit getan als den großen amerikanischen Familienroman neu zu beleben. Im Mittelpunkt stehen Patty und Walter Berglund mit ihren Kindern: eine linksliberal orientierte Familie, die das Buch in einer grandiosen Einleitungspassage als Nachttischbildidylle einführt: In einer renovierten Villa lebend, haben die Berglunds einem heruntergekommen Viertel in St. Paul/Minnesota, nicht zuletzt dank Pattys Engagement, zu neuem Glanz verholfen. Und Walter hat auf seine Karriere verzichtet, um für ökologische Organisationen tätig zu sein.

Natürlich bekommt das moralisch scheinbar unangreifbare Familienidyll schnell Risse. Patty kann sich von ihrer traurigen Vergangenheit nicht lösen und versucht, ihre Depressionen im Alkohol zu ertränken. Walter erliegt aus guter Absicht einem unmoralischen Angebot der Kohleindustrie. Und Sohn Joey verlässt die Familie und zieht ins Haus der einzigen verbliebenen „asozialen“ Familie der Gegend. Später wird er dubiose Geschäfte im Irakkrieg machen.

Der Roman ist wie sein Vorgänger im täglichen Leben einer Mittelklasse-Familie der heutigen USA angesiedelt. Orte der Handlung sind das Verwaltungszentrum des Bundesstaats Minnesota, St. Paul (Minnesota), sowie die Städte Washington und New York. Das bitter-süße, dramatische Schicksal der Ehe von Walter und Patty Berglund steht im Zentrum der Handlung. Von der Mitte der 1980er Jahre bis zur Wahl Barack Obamas zum US-Präsidenten im Jahr 2009 wird das gegensätzliche Paar nacheinander aus der Sicht verschiedener Figuren geschildert, v.a. aus der Patty Berglunds selbst. In ihren heimlichen, intimen Konflikten entfaltet sich hochdramatisch ein ethisches Dilemma, das der Titel „Freiheit“ anspricht: wie weit Freiheit ausgelebt und anderen zugemutet werden darf.

 

 

Die Hörprobe mit Sprecher Ulrich Matthes (unten) zeigt einen Ausschnitt aus der Wutrede von Walter Berglund in Washington (Ausschnitt aus dem Kapitel “Der Teufel von Washington”, CD 13)
 

 

Mein Fazit


Das ein Autor nach einem Bestsellerdebüt sich fast 9 Jahre Zeit lässt mit einer weiteren Romanveröffentlichung, das ist schon etwas Besonderes. Die Freiheit, sich Zeit zu nehmen, spiegelt sich aber auch im Buch selbst wieder: Franzens Gabe liegt ganz sicher darin, ausführlich, tiefgründig; eben episch zu erzählen, und das ohne die Leser zu langweilen. Eine so ausführliche, detaillierte Anschauung und Analyse der Protagonisten habe ich bei noch keinem Autoren der Gegenwartsliteratur erlebt.

Jonathan Franzen dekliniert sein Kernmotiv der “Freiheit” in fast allen erdenklichen Varianten durch: persönliche Freiheit, z.B. im Seitensprung, in der Habgier; aber auch gesellschaftlich, ob beim Umweltschutz oder der political correctness. Franzen schafft es dabei nicht nur ein großes psychologisches Panorama seiner Figuren zu entwerfen, sondern auch ein großes Panorama der US-Zeitgeschichte. Fast 30 Jahre Politik- und Gesellschaftskritik packt Franzen in seine Geschichte. Neben dem Umweltschutz steht vor allem das Thema Überbevölkerung im Mittelpunkt, wobei er besonders auf die Kopplung von Bevölkerungswachstum mit Wirtschaftswachstum und die daraus resultierenden politischen Interessen hinweist. “Der Mensch als Krebsgeschwür der Erde” wie es die Aktevisten der Initiative “Freiraum” um Walter Berglund so gerne agitieren.

»Freiheit« von Jonathan Franzen, ein epochaler Gegenwartsroman beeindruckend gut gelesen von Schauspieler Ulrich Matthes, einem der besten Sprecher derzeit. Eine unbedingte Empfehlung!

Viel Spaß beim Nachhören!

 

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 1

Spieldauer: ca. 1165min. (gekürzte Fassung)

CDs: 15

Verlag: der Hörverlag

Erschienen: 2010

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