Gilgamesh Epos von Raoul Schrott

Samstag, 9. Juni 2012

Gilgamesh Epos

Gilgamesh Epos

Das Gilgamesch-Epos, das erste Großepos der Weltliteratur, war schon zu seiner Zeit berühmt und kanonisch. Raoul Schrott hat sich an eine einmalige Hörspielbearbeitung des Werks gewagt mit vielen bekannten Stimmen: Josef Bierbichler, Martin Wuttke und Michael Lucke, um ein paar zu nennen. Das Ergebnis ist anspruchsvolles Volkstheater für die Ohren, das aber nicht jeden Geschmack treffen dürfte.
 

 
 
 

Gilgamesh – ältestes Epos der Menschheit


Das Gilgamesch-Epos, das erste Großepos der Weltliteratur, war schon zu seiner Zeit berühmt und kanonisch. Eine nachträgliche Einfügung »aktueller« bedeutender Gottheiten fand in der Folge der Abschriften nicht statt. Die besondere Hochschätzung der alten Stadt Uruk, die im Epos zum Ausdruck kommt, hängt u. a. damit zusammen, dass in jener Stadt die Schrift zu einer solchen Form entwickelt wurde, dass sie die Gesamtheit der (sumerischen) Sprache auszudrücken vermochte. Uruk ist damit gewissermaßen der Geburtsort der Weltliteratur.

Entstehung: Gilgamesch war ein König der mesopotamischen Stadt Uruk, der zwischen 2750 und 2600 v. Chr. (in der »frühdynastischen« Epoche) geherrscht haben muss. Kürzere epische Dichtungen über Gilgamesch in sumerischer Sprache liegen aus der 3. Dynastie von Ur (ca. 2000 v. Chr.) vor, deren Herrscher aus Uruk stammten. Unter Verwendung dieses Materials schuf ein Dichter der mittelbabylonischen Zeit (ca. 1200 v. Chr.) eine zusammenhängende Komposition in akkadischer Sprache: das eigentliche Gilgamesch-Epos. Ein Exemplar dieses auf zwölf Tontafeln in Keilschrift niedergeschriebenen Zyklus wurde in der Bibliothek des assyrischen Königs Assurbanipal (669–627 v. Chr.) gefunden. Ein Fragment eines literarischen Katalogs aus derselben Bibliothek nennt als Verfasser des Epos einen Sin-leqe-uninni. Nachdem der Text mehr als 2000 Jahre verschollen war, wurde er ab 1872 von dem britischen Assyriologen George Smith entdeckt. Zerstörte Teile des Textes werden seither in dem Maße ergänzt, wie an verschiedenen Orten Textfragmente (vor allem der sumerischen Varianten) gefunden werden.



 

 

Von Göttern und Menschen


Um der Fronherrschaft des Königs Gilgamesch über die Bewohner Uruks abzuhelfen, schaffen die Götter einen Gefährten für ihn: den »Tiermenschen« Enkidu. Dieser wird zum Menschen zivilisiert, indem ihm eine Tempelprostituierte zugeführt wird. Gemeinsam begehen Gilgamesch und Enkidu Heldentaten: Sie töten den Wächter des Zedernwaldes (Libanon), Chuwawa, und fällen die heilige Zeder. Zurückgekehrt, wird Gilgamesch von der Liebesgöttin Ischtar aufgefordert, die heilige Hochzeit zu vollziehen. Er lehnt das Angebot ab und verhöhnt die Göttin. Darauf muss er mit Enkidu gegen den Himmelsstier kämpfen, den sie töten. Aufgrund eines Ratsschlusses der Götterversammlung erkrankt Enkidu und stirbt. Gilgamesch trauert um den Freund und wird fortan von der Angst zu sterben umgetrieben. Auf der Suche nach Unsterblichkeit macht er sich auf die Suche nach Utnapischtim, dem einst von den Göttern die Unsterblichkeit verliehen wurde. Auf dem Weg vollbringt er weitere Heldentaten; weder Gefahren noch der Rat der Schenkin Siduri, sich auf den Genuss des diesseitigen Lebens zu konzentrieren, können ihn bremsen. Der Fährmann Urschanabi setzt Gilgamesch schließlich über die Todeswasser zu Utnapischtim über. Dieser berichtet ihm, dass er die Unsterblichkeit erlangte, als er die Sintflut durch den Bau einer Arche überlebte. Mit Urschanabi kehrt Gilgamesch zurück zur Stadtmauer von Uruk. Sie, die von Gilgamesch gebaut wurde, erweist sich als das Mittel, seinen Namen unsterblich zu machen.

Aufbau: Die Abenteuer des Helden bilden einen Kreis, beginnend und endend mit der (ihrerseits annähernd kreisförmigen) Stadtmauer Uruks. Daran angehängt ist als zwölfte Tafel eine Art Epilog, worin Enkidu seinem Freund Nachricht aus der Unterwelt erteilt. Ein wichtiges Element der einzelnen Abenteuer sind die großzügig eingearbeiteten Träume der Helden und deren Deutung als Omina.

Wirkung: Der Sintflut-Bericht der R Bibel ist von seinem mesopotamischen Gegenstück offensichtlich beeinflusst; der Letztere ist aber nicht exklusiv im Gilgamesch-Epos enthalten, sondern auch separat, als Atrachasis-Mythos, überliefert. Motive des Gilgamesch-Epos haben spätere Heldenerzählungen beeinflusst, so jene über Herakles, und lassen sich noch in den Erzählungen aus R Tausendundeiner Nacht finden.


Mein Fazit


Das Gilgamesh Epos, Fiktion oder Tatsachenbericht über die erste Zivilisation in Mesopotamien”, so diereißerische Fragestellung in der Terra X Dokumentation (Video oben). Die Hörspielbearbeitung von Raoul Schrott kann als experimentell bezeichnet werden, lässt er doch z.B. Enkidu im tiefsten bayrischen Dialekt von Josef Bierbichler sprechen (was mir äußerst gut gefallen hat – andere werden damit ihre Probleme haben). Die im Chor vorgetragenen Frauenstimmen erinnern dann eher an reinstes Gründgens-Theater. Insgesamt eine bunte, anspruchsvolle Mischung, die eine gewisse Textkenntnis jedoch voraussetzt.

Viel Spaß beim Nachhören!

 

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 2

Spieldauer: ca. 210min. (Hörspiel)

CDs: 3

Verlag: der Hörverlag

Erschienen: 2011

Noch keine Kommentare vorhanden.

Sag Deine Meinung

 

Unsere Hörbuch-Empfehlungen: