Gott bewahre von John Niven

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Gott bewahre

Gott bewahre


Nach einem einwöchigem Angelurlaub (eine Woche im Himmel entspricht 450 Erdenjahren) kehrt Gott zurück an seinen Schreibtisch und muss feststellen, dass die Erde inzwischen den Bach runtergegangen ist. Und so schickt er seinen Sohn, dem es im Himmel blendend geht und der mit Jimi Hendrix Gittarre spielt und Joints raucht, wieder auf die Erde, um Gutes zu tun und das einzig wahre Gebot SEID LIEB zu predigen.
 

 
 
 
 

Gott bewahre – Jesus Christus is back!


“Da kommt Gott – tut so, als wärt ihr beschäftigt.” Denn Gott ist stinksauer. Nachdem Er sich im Himmel eine einwöchige Auszeit für einen Angelurlaub gegönnt hat, kehrt Er nach etwa vierhundertfünfzig Jahren (ein Tag im Himmel entspricht 57 Erdenjahren) wieder zurück an Seinen Schreibtisch und muss mitansehen, wie die Erde in der Zwischenzeit den Bach runtergegangen ist.

Umweltsünden, Kriege, moralischer Verfall, kirchliche Hassprediger, skrupellose Kommerzialisierung – die Menschen sind auf dem besten Weg, sich selbst zu zerstören. Und so bleibt Gott nichts anderes übrig, als Seinen Sohn Jesus Christus, dem es im Himmel blendend geht und der mit Jimi Hendrix Gitarre spielt und Joints raucht, wieder auf die Erde zu schicken, um Gutes zu tun und das einzig wahre Gebot SEID LIEB zu predigen (daher der Titel im englischen Original: The Second Comming). Widerwillig landet Jesus in New York und versucht zunächst erfolglos als Sänger und Gitarrist in einer Rockband Gehör zu finden. Derweil schart er seine ersten Jünger um sich – Drogenabhängige, Gescheiterte, Obdachlose, denen er zu helfen versucht. Als seine Mission, die Massen zu erreichen, zu scheitern droht, greift er zum letzten Mittel: Er nimmt an einer Castingshow teil. Damit beginnt eine denkwürdige Odyssee quer durch Amerika.

 

Über den Autor


John Niven, geboren in Ayreshire im Südwesten Schottlands, spielte in den Achtzigern Gitarre bei der Indieband „The Wishing Stones“, studierte dann Englische Literatur in Glasgow und arbeitete schließlich in den Neunzigern als A&R Manager einer Plattenfirma, bevor er sich 2002 dem Schreiben zuwandte. 2006 erschien sein erstes Buch, die halbfiktionale Novelle „Music from Big Pink“ über Bob Dylan und „The Band“ in Woodstock; 2008 landete er mit dem Roman „Kill Your Friends“ – einer raben-schwarzen Satire auf die Musikindustrie – einen internationalen Bestseller. John Niven lebt derzeit in Buckinghamshire, England.

 

Mein Fazit


John Nivens Idee vom Himmel ist fantastisch: Gott ein geplagter Demiurg, der im ewigen Clinch mit seinem Spezi Satan steht. Zusammen mit seinem Sohn Jesus chillt der Schöpfer nach vollendetem Tagewerk gerne ausschweifend. Auch dem Alkohol und natürlichen Betäubungsmitteln steht er liberal gegenüber. Schließlich hat er das Gras eben zu diesem Zwecke erfunden! Das nebenbei auf der Erde was schiefgehen muss, ist fast selbstverständlich. Besonders der erste Teil (= die erste CD) des Hörbuchs ist große Klasse. Gottes entsetzen über den Religionskult auf Erden ist genauso amüsant wie bildend: Oder hättet Ihr gewusst, das es ca. 38.000 verschiedene Glaubensströmungen weltweit gibt?

Gott will dem Treiben ein Ende bereiten und schickt seinen Sohn noch einmal zurück unter die Menschen. Im weiteren wird das Wirken und Wandeln von J.C., wie sich Jesus in Nivens gezeichneter Popkultur gennant wird, in die heutige, von den Massenmedien diktierte Zeit transportiert. Das ist nicht nur sehr unterhaltsam sondern vor allem gesellschaftskritisch. Nicht jedem wird der raue Ton Nivens schmecken, mit dem er der unerhaltungssüchtigen, sich im Castingwahn befinden, um sich selbst drehenden Spaßgesellschaft den Spiegel vorhält. Am Ende wird J.C. erneut zum Opfer seiner Jünger und wird in der Todekammer in Texas hingerichtet.

John Nivens bitter böser, aber segensreicher Roman »Gott bewahre«, als Hörbuch toll intoniert von Sprecher Gerd Köster, hat jedenfalls echte Hollywoodqualität. Jeff Bridges als dauerkiffender Gott und Danny Devito als mit dem Schicksal hadernder Lucifer, könnte ich mir jedenfalls sehr gut auf der Leinwand vorstellen.

Viel Spaß beim Nachhören!

 

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 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 1

Spieldauer: ca. 459min. (ungekürzte Lesung)

CDs: 6

Verlag: Hörbuch Hamburg

Erschienen: 2011

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