Herr Biedermann und die Brandstifter von Max Frisch

Samstag, 6. März 2010

Herr Biedermann und die Brandstifter von Max Frisch

Herr Biedermann und die Brandstifter von Max Frisch

Das Hörspiel Herr Biedermann und die Brandstifter ist die Vorlage des später höchst erfolgreichen gleichnamigen Theaterstückes gewesen, welches Frisch Weltruhm einbrachte. Max Frisch selbst tat das Hörspiel (kurioserweise) lediglich als Fingerübung ab, eine Auftragsarbeit für den Schweizer Rundfunk, welche er nach der kräftezehrenden Fertigstellung des Homo Faber einfach gebraucht hatte. Wenn sowas wie dieses Hörbuch das Ergebnis von bloßen Fingerübungen ist, dann kann man nachvollziehen warum Max Frisch zu den größten Schriftstellern der Schweiz zählt.

 

 

Max Frisch zeigt uns den Biedermann in uns


Herr Biedermann und die Brandstifter ist die Geschichte eines Kleinbürgers und Opportunisten, wie er in uns allen steckt. Gottlieb Biedermann nimmt den Hausierer Josef Schmitz bei sich auf. Biedermann ahnt, dass Schmitz und sein Kompagnon Willi Eisenring, auf dem Dachboden Feuer legen werden. Willensschwach und ängstlich ist Biedermann nicht fähig, den Pyromanen Einhalt zu gebieten. Das Feuer greift auf die Nachbarhäuser über und zerstört die gesamte Stadt.

 

 

In der späteren Theaterfassung kommen Biedermann und seine Frau in dem Hausbrand um. Das Hörspiel im Original lässt dies offen. Es ist wie eine Radiodokumentation angelegt, in der die Geschichte Biedermanns von einem Moderator aus der Retrospektive erzählt wird und dazwischen Biedermann immer wieder im Interview zum Geschehenen Stellung bezieht.

Im Mittelpunkt des Stückes steht die Geisteshaltung der Biedermanns. Es ist eine Fabel, die die historischen Anspielungen auf Kommunismus und (der Entstehungszeit entsprechend) Nationalsozialismus klar erkennen lassen. Das Wegschauen als Treibstoff jeden Totalitarismus. Sicherlich nicht nur in historischer Sicht anzuwenden. Bankenkrise ich hör dir trapsen.



 

 

Ein Hörspiel von 1952 – aber kein alter Schinken


Das 1952 geschriebene Hörspiel um Herrn Biedermann habe ich in der 2007 erschienen Auflage des Christop Merian Verlag gehört. Zu den prominenten Sprechern zählen u.a. Axel von Ambesser, Wilfried Seyferth und Johanna Hofer. Ein Hörspiel das wieder mal meinen ganz persönlichen Geschmack trifft. Es scheint sich der Spruch zu bewahrheiten: Je älter desto besser. Atmosphärisch hervorragend umgesetzt, hat man als Hörer das Gefühl mitten im Geschehen zu sein. Einfach eine tolle Inszenierung!

Viel Spaß beim nachhören!


Spieldauer: ca. 70 Minuten

  • Reinhard
    Mai 28th, 2011 at 19:52 | #1

    Die 2007 erschienene Auflage hat andere Sprecher (Winkelmann, Rottsieper, Rudolph etc.); ich bin jetzt auf der Suche nach der alten Fassung, die ich noch im Ohr habe und die ich deutlich eindrucksvoller fand…

  • Harry
    Nov 17th, 2011 at 12:43 | #2

    Die neuen Fassungen reichen oft nicht an das Original
    heran, da stört auch die ältere Technik nicht, im Gegenteil, Mono ist hier ein “Muss”
    Deshalb suche ich auch hier die Originalfassung.
    Übrigens bin ich immer auf der Suche nach 50er-Jahre-
    Hörspielen, habe auch welche davon, auch ältere!

  • Nov 17th, 2011 at 13:17 | #3

    Ja, das ist wahr. Die alten Hörspiele haben einen besonderen Charme. @Harry: Ich habe Dir hierzu eine E-Mail geschrieben. LG, Sebastian

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