Imperium von Christian Kracht

Montag, 15. Oktober 2012

Imperium

Imperium

Christian Krachts Ballade über August Engelhardt, einem Aussteiger zu Zeiten des deutschen Kolonialismus. Weil er sich nur noch von Kokosnüssen ernähren möchte, gründet Engelhardt eine neue religiöse Gemeinschaft namens “Sonnenorden”. Er erwirbt die Südseeinsel Kabakon inklusive einer Palmenplantage und zieht sich in seine eigene Welt zurück. Bald schon treffe erste Jünger auf der Insel ein und das Unglück nimmt seinen Lauf. Das Hörbuch kommt als ungekürzte Produktion und wird von Sprecher Dominik Graf gelesen.
 

 
 

Aussteiger, Nudist, Vegetarier: August Engelhardt


Es ist das Zeitalter der Eroberungen und des Größenwahns. 1902 verlässt August Engelhardt auf der Suche nach einem Ortes ohne die Zwänge und Konventionen Zentraleuropas seine süddeutsche Heimat. Sein Glück findet er auf einer kleinen Insel im Pazifischen Ozean.

Auf Kabakon setzte er seine Vorstellungen von naturverbundener Lebensführung in die Realität um. Er verzichtete vollständig auf Kleidung und ernährte sich ausschließlich vegetarisch, vorwiegend von Kokosnüssen. Mit Sonne und Kokosnüssen als Grundpfeilern entwickelte Engelhardt eine Philosophie, die zunehmend religiöse Züge annahm: Ausgehend davon, dass die Sonne der verehrungswürdige Quell allen Lebens sei, behauptete er, die Kokosnuss sei die Frucht, die der Sonne am nächsten wächst, und darum die vollkommenste Nahrung des Menschen. Diese Anschauung, Kokovorismus genannt, gipfelte in Engelhardts Aussage, der ständige Verzehr von Kokosnüssen führe den Menschen in einen gottähnlichen Zustand der Unsterblichkeit.

Nach und nach finden sich erste Jünger aus Übersee in Engelhardts Paradies ein, und das treiben auf der Insel schlägt auch in der heimatlichen Presse große Wellen. Dem Leiter des Reichskolonialamtes in Berlin ist Engelhardt ein Dorn im Auge und von hier ab nimmt das Unglück seinen Lauf.

 

 

Mein Fazit


Christian Krachts Romane sind stets anspruchsvolle Unterhaltung. So auch das Hörbuch Imperium. Kracht jongliert mit realen Figuren, wobei die Wahrheit recht biegsam daher kommt. Auch was den fiktiven Teil seines Roamns betrifft musste sich der Autor Abkupferungsvorwürfe gefallen lassen. Dem Hörer kann es egal sein, vergeht die ungekürzte Lesung, auf sprachlich hohem Niveau, wie im Flug.

 

 

Das dem so ist, ist auch ein Verdienst von Sprecher Dominik Graf. Der Münchner Regisseur trägt zwar nüchtern vor, wird aber in der Intonation dem Text allzeit gerecht. Im Interview oben erzählt er, was ihn an dem Stoff gereizt hat und besonders spannend – wie er als Sprecher an die Lesung herangeht. Seinen Worten ist eigentlich nicht hinzuzufügen. Absolut hörenswert!

Viel Spaß beim Nachhören!

 

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 2

Spieldauer: ca. 297min. (ungekürzte Lesung)

CDs: 4

Verlag: Roof Music

Erschienen: 2012

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