In Zeiten des abnehmenden Lichts von Eugen Ruge

Mittwoch, 4. Januar 2012

In Zeiten abnehmenden Lichts

In Zeiten abnehmenden Lichts

Eugen Ruges buchpreisgekrönter Roman »In Zeiten des abnehmenden Lichts« erzählt vom Flüchten, vom Heimkommen, vom Altern. Von den Jahren des Exils bis ins Wendejahr 89 und darüber hinaus reicht diese wechselvolle Geschichte einer deutschen Familie. Sie führt von Mexiko über Sibirien nach Ostberlin, über die Gipfel und durch die Abgründe des 20. Jahrhunderts. So entsteht ein weites Panorama, ein großer Deutschlandroman, der Geschichte als Familiengeschichte erlebbar macht: das Hörbuch gelesen von Ulrich Noethen, empfehlenswert.
 

 
 
 

Eugen Ruge – In Zeiten des abnehmenden Lichts


Eugen Ruge über Hoffnungen, Träume und Niederlagen der jüngeren Vergangenheit gebündelt in seiner Familiensaga »In Zeiten des abnehmenden Lichts«. Die zum leeren Ritual gewordene Geburtstagsfeier des Großvaters, eines kommunistischen Veterans, bildet den Rahmen für diese deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts. Sie spielt zwischen Berlin, der Sowjetunion und Mexiko. Erzählt wird aus der Perspektive des an Krebs erkrankten Enkels “Sascha” Alexander, der die DDR kurz vor ihrem Ende verlässt. Großvater Wilhelm erhält indessen zu seinem 90. Geburtstag am 1. Oktober 1989 in der DDR noch den nächsten Orden. Bis zu seiner Demenzerkrankung liest er jeden Artikel im SED-Zentralorgan “Neues Deutschland”.

Im Zentrum der Darstellung stehen die menschlichen Schicksale und Schwächen der weitverzweigten Familie und die politische Entwicklung der DDR zwischen Reform und Stillstand, zwischen Demokratisierung und Sozialismus.

 

 

Mein Fazit


»In Zeiten des abnehmenden Lichts« von Eugen Ruge wurde als Roman des Jahres mit dem Deutschen Buchpreis 2011 ausgezeichnet. Die Erzählung ostdeutscher Zeitgeschichte in Form eines Familienromans, über vier Generationen, über 50 Jahre hinweg, zeigt die Utopie des Sozialismus und den Preis, den sie dem einzelnen abverlangt. Ruges Roman besticht durch seinen klaren und lebendigen Erzähstil. Wenn Kurt und Alexander in Berlin über den Alexanderplatz zur Weltzeituhr flanieren und darum bemüht sind in den angrenzenden Lokalen etwas zu Essen zu bestellen, hat man das Gefühl an dernen Seite zu gehen und den Mief des Automatenlokals einzuatmen. Ebenso imponiert hat mir die erste Szene des Buches, in der Alexander seinen alten Rivalen, den inzwischen demenzkranken Vater Kurt, nach Jahren der Feindschaft pflegt und dann doch von seinem Hass übermannt aufgibt und ins Ausland flieht.

Das Meisterstück diese Hörbuchs sind ganz sicher die Perspektivwechsel zwischen den einzelnen Figuren und deren Überschneidungen rund dum den 90. Geburtstag von Wilhelm. Sprecher Ulrich Noethen trägt das seinige dazu bei, die Personen aufleben zu lassen. Tolle Sprecherleistung!

Was jedoch gesagt werden muss, Eugen Ruges »In Zeiten des abnehmenden Lichts« hat einen stark ausgeprägten dunklen Grundton. Der depressive Sound spiegelte mir bislang das realistischste Abbild der DDR von den DDR-Romane, die ich in den letzten zwei Jahren gehört habe; wer jedoch an schattigen Herbst- und Wintertagen zu Depressionen neigt sollte die Finger von dem Hörbuch lassen.

Viel Spaß beim Nachhören!

 

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 2

Spieldauer: ca. 695min. (gekürzte Fassung)

CDs: 10

Verlag: Argon Verlag

Erschienen: 2011

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