Euer Interview mit Audiobuch

Montag, 2. Mai 2011

Interview mit Audiobuch

Interview mit Audiobuch

Endlich ist es soweit: Ich freue mich Euch exklusiv die Antworten zu Eurem “Interview mit einem Hörbuchverlagschef” präsentieren zu dürfen! An dieser Stelle spreche ich noch einmal ein herzliches Dankeschön an Herrn Matern von Marschall und das gesamte Audiobuch-Verlag-Team aus, die sich die Zeit genommen haben, auführlich Euren Fragen Rede und Antwort zu stehen.
 

 
 
 

Eure NeuGier war gefragt


Unter dem Motto “Euer Interview mit einem Hörbuchverlag” hatte ich Euch zu Jahresbeginn zum mitzumachen aufgerufen. Ihr hattet die Gelegenheit im Rahmen eines kleinen Hörbuch-Gewinnspiels “Eure Fragen an den Chef eines deutschen Hörbuchverlages” zu äußern. Die Resonanz war grandios, und das, obwohl der Interviewpartner zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht feststand. Über 50 Fragen wurden eingeschickt, so dass ich mich gezwungen sah, diese ein wenig zu stutzen und in Fragekomplexe einzuteilen.

Die Arbeit hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ich freue ich mich sehr, Euch nun die interessanten und ausführlichen Antworten von Herrn Matern von Marschall vom AUDIOBUCH-Verlag präsentieren zu dürfen.

 

Interview mit Matern von Marschall

Matern von Marschall

Matern von Marschall

Herr Matern von Marschall ist seit 2003 Partner und Gesellschafter von AUDIOBUCH, einer der größeren Hörbuchverlage Deutschlands mit Sitz in Freiburg. Der AUDIOBUCH-Verlag ist bekannt für sein bunt gemischtes und anspruchsvolles Hör-Programm. Er arbeitet mit den prominentesten Autoren und Sprechern der Szene zusammen. Er veröffentlicht zahlreiche Bestseller, darunter u.a. “Die Chemie des Todes” von Simon Beckett oder ganz aktuell “Der Grosse Entwurf” von Stephen Hawking. Hier gehts zum ausführlichen Verlagsportrait.

 

Los geht es mit dem ersten Fragenkomplex zum Thema Hörbuch allgemein:

Eure Frage: Was ist der Vorteil von Hörbüchern gegenüber dem gedruckten Buch?

Matern von Marschall: Hörbücher kann man z.B. auch im Auto, beim Bügeln oder anderen Tätigkeiten hören, die mehr oder weniger automatisch ablaufen und nur Teile der Aufmerksamkeit beanspruchen. Hörbuch-Experten nennen das Prinzip auch »Double your time«, also zwei Dinge zur selben Zeit machen. Mit Büchern geht das nicht.

Eure Frage: Verführen Hörbücher nicht dazu, selber gar nicht mehr zu lesen?

Matern von Marschall: Hörbuch-Hören spricht das innere Auge, d.h. die eigene Vorstellungskraft, anders an als das Buch. Die Anregung der Phantasie des Hörers wird wesentlich durch die Interpretationskraft der Sprecher geleistet. Beim Buch liegt die gesamte »Arbeit« beim Leser. Das Hörbuch steht zwischen Buch und Film. Beim Film kommt ja noch die weitere Ebene von außen dazu: das Bild und der Ton. Dort wird sozusagen fast alles von außen vorgegeben.

Eure Frage: Warum gibt es eigentlich keine FSK bei Büchern/Hörbüchern?

Matern von Marschall: Es gibt Bücher, die verboten sind. Solche Bücher erscheinen dann natürlich auch nicht als Hörbuch. Allgemein aber gibt es für Hörbücher kein FSK, das stimmt. Das hängt auch wieder damit zusammen, dass vor allem bewegte Bilder, wie eben bei Filmen oder Computerspielen, eine erhebliche psychische Gefährdung bedeuten können, weil sie einfach stärker auf die Seele des Kindes bzw. Jugendlichen einwirken. Ein gutes Beispiel, um den Unterschied zu erklären, sind Märchen. Dort wird oft Gewalt beschrieben. Nehmen wir den »Wolf und die sieben Geißlein«. Hier frisst zunächst der Wolf die sieben jungen Geißlein, später wird ihm im Schlaf dann der Bauch aufgeschnitten, mit Wackersteinen gefüllt und anschließend wird er ertränkt. Jetzt stelle man sich genau diesen Ablauf einmal in bewegten Bildern vor, das wäre eine überaus blutige Angelegenheit, die zweifellos ab 16 oder besser ab 18 freigegeben wäre. Die bloße textliche Wiedergabe des Originalmärchens in gedruckter Form oder im Hörbuch ist aber durchaus auch Kindern zuzumuten.

Im zweiten Fragekomplex geht es um die Auswahl von Hörbuchsprechern:

Eure Frage: Wie erfolgt die Auswahl für die Sprecherstimmen? Wird dies nach Gefühl gemacht oder geschaut dass die zu sprechende Person möglichst viele Charaktereigenschaften mit dem Sprecher gemein hat?

Matern von Marschall: Bei der Sprecherauswahl wird zunächst einmal geschaut, aus welcher Perspektive ein Buch geschrieben ist. Ist die Hauptperson eine Frau, wird man eine Sprecherin nehmen, andernfalls besser einen Sprecher. Dann ist auch das Genre des Hörbuchs wichtig. Manche Stimmen klingen eher kühl und sachlich, passen damit gut zu Sachhörbüchern, andere warm und voll, was besser zu literarischen Werken passt.

Eure Frage: Gibt vielleicht auch eine Art Archiv/Kartei auf das/die man zurückgreift und lädt dann zum Casting ein?

Matern von Marschall: Es gibt Künstleragenturen, die sich auf Hörbuchsprecher konzentrieren. Diese haben natürlich Karteien und Archive. Aber auch bekannte Schauspieler und Synchronsprecher werden gern genommen, wegen des Wiedererkennungswertes.

Eure Frage: Haben die Autoren ein Mitspracherecht?

Matern von Marschall: Die Autoren bzw. die Buchverlage haben ein gewisses Mitspracherecht bei der Auswahl der Sprecher, wobei die meisten es den Profis der Hörbuchverlage überlassen, die richtige Auswahl zu treffen.

Eure Frage: Manche Hörbücher werden vom Autoren selbst gelesen, was nicht immer vorteilhaft ist, da nicht jeder der tolle Geschichten schreibt auch ein guter Vorleser ist. Woran liegt es, daß das trotzdem gemacht wird?

Matern von Marschall: Autorenlesungen gibt es aus zwei Gründen. Zum einen gibt es Autoren, die einfach ihr Werk selbst vortragen möchten, da sie ihm ihre ganz persönliche Interpretation verleihen wollen. Zum anderen kann es das Anliegen des Hörers sein, eine Autorenlesung sozusagen als Dokument zu erwerben, welches die Stimme des Autors langfristig verfügbar macht und auch die besondere Situation der Aufnahme, etwa eines Mittschnittes, lebendig in Erinnerung hält. Denken wir zum Beispiel an die Lesungen von Thomas Mann.

Eure Frage: Kann man sich bei einem Hörbuch-Verlag für Sprechrollen verschiedener Hörbücher bewerben? Und wie und wo geht das?

Matern von Marschall: Wer sich als Sprecher bewirbt, sollte eine mehrjährige Sprecherausbildung, eine Tätigkeit für Radio, Theater oder Fernsehen und am Besten schon ein paar Referenzen aus dem Hörbuchbereich vorweisen können. Alles andere ergibt wenig Sinn, denn Hörbücher sollen sich ja vor allem durch eine exzellente Sprecherqualität auszeichnen. Wer die oben genannten Voraussetzungen mitbringt, kann sich mit Lebenslauf und Sprecherproben (per E-Mail oder Post) beim Verlag bewerben.

Eure Frage: Werden Hörbücher mit Prominenten Vorlesern mehr gekauft?

Matern von Marschall: Prominente Sprecher werden tatsächlich lieber gekauft. Der Sprecher ist neben dem Autor ausschlaggebend für den Erfolg des Hörbuches. Und da hilft es eben auch, wenn er bekannt ist, etwa aus Film und Fernsehen. Der Aufstieg vom ganz unbekannten Sprecher zum Starsprecher ist nicht unmöglich, aber sehr schwer.

Eure Frage: Was zeichnet einen guten Hörbuchsprecher aus? Gibt es unter den Sprechern auch kleine “Diven”? Auch wenn Sie verständlicherweise keine Namen nennen möchten, haben Sie vielleicht eine kleine Anekdote für uns?

Matern von Marschall: Also die meisten Sprecher sind wie schon gesagt sehr angenehme, umgängliche und anregende Menschen – und nur in den seltensten Fällen exaltierte „Diven“. Das schließt ausdrücklich auch die aus Film und Fernsehen bekannten Sprecher ein. Hörbuch-Sprechen ist ja eine schwere, anstrengende und höchst anspruchsvolle Arbeit, bei der man sich Allüren auf die Dauer nicht leisten kann. Es geht vor allem auch um die der Aufnahme vorauslaufende Arbeit am Text. Zu manchen Sprechern, die besonders viele Hörbücher für unseren Verlag eingelesen haben, haben wir ein besonders gutes, freundschaftliches Verhältnis. Zu denen zählt auch Johannes Steck, von dem sogar sein allererstes Hörbuch – und danach viele weitere – bei uns erschienen ist. Dieses erste Hörbuch hatte er noch selbst aufgenommen, und zwar in der Gästetoilette seines Hauses, die er mit Matten abgedichtet und so zum Tonstudio umfunktioniert hatte. Heute besitzt er ein richtiges, professionelles Tonstudio und zählt spätestens seit seiner Lesung der »Chemie des Todes« von Simon Beckett zu den beliebtesten und meistgebuchten Hörbuchsprechern in Deutschland.

Der dritte Teil behandelt die Kürzungen von Hörbüchern:

Eure Frage: Wer entscheidet, was gekürzt wird? Hat da auch der Autor ein Mitspracherecht?

Matern von Marschall: Kürzungen werden im Verlag vom Lektorat oder freien Lektoren vorgenommen und dann dem Buchverlag vorgelegt, der sie genehmigt. Manchmal will auch der Autor selbst die Kürzung vornehmen, das verbirgt sich hinter dem Begriff »Autorisierte Lesefassung«.

Eure Frage: In welchen Fällen wird das Hörbuch überhaupt gekürzt? Kann man das pauschal sagen?

Matern von Marschall: Ein Hörbuch wird dann gekürzt, wenn das Buch umfangreich ist und sehr viele CDs produziert werden müssten, um es ungekürzt wiederzugeben. Da die CD-Produktion relativ teuer ist, müsste man für eine Produktion von z.B 30 CDs 50 Euro oder noch mehr verlangen, um die Herstellkosten zu decken. Es gibt aber nicht viele Hörer, die so viel Geld zu zahlen bereit sind.

Eure Frage: Steht der Hörbuchverlag (im Gegensatz zum Printverlag) nicht zum Text?

Matern von Marschall: Wir befassen uns also sehr intensiv mit dem Text des Werkes. Der Text ist natürlich essentiell. Manchmal bekommt allerdings eine Kürzung dem Werk sogar ganz gut, weil es gewisse Längen, die das Buch unter Umständen hat, beim Hörbuch dann nicht mehr gibt.

Eure Frage: Wenn ein Buch ein Bestseller ist, wird meist eine gekürzte Lesung auf dem Markt gebracht, da sie schneller zu produzieren ist, stimmt das?

Matern von Marschall: Es stimmt übrigens nicht, dass Bestseller oder Hörbücher schneller produziert werden können, wenn man sie kürzt. Die Kürzung braucht ja auch erst einmal viel Zeit und muß dann durch verschiedene Hände gehen – was die längere Studio-Aufnahmezeit einer möglichen ungekürzten Lesung wieder ausgleicht.

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