Kleine Lichter von Roger Willemsen

Samstag, 3. April 2010

Kleine Lichter von Roger Willemsen

Kleine Lichter von Roger Willemsen

“Menschen verändern sich, wenn man sie braucht. Erst dann werden sie unzuverlässig. Aber was hat sich zwischen uns wirklich geändert? Ich unterstelle dir die Liebe und in der Liebe die Wahrheit.“ Roger Willemsen verleiht der Sprache der Liebe einen poetischen Ton, wie ich ihn bis jetzt bei noch keinem deutschen Schriftsteller angetroffen habe. Die Livelesung aus dem Jahre 2005 wird am Piano begleitet von Frank Chastenier.



 

 

Kleine Lichter, das sind die kleinen Dinge, wie zum Beispiel die Liebe


Schon über sechs Monate liegt Rashid im Koma. Nun bespricht Valerie, seine Geliebte, ein Tonband an seinem Krankenhausbett, das ihn wieder ins Leben zurückholen soll. Wie kann man fühlen und sich nicht verlieren? Wie kann kann man erhalten, was nicht zu halten ist? Hin und her gerissen beschwört Valerie die eigene Liebesgeschichte noch einmal herauf und zeichnet die Veränderung ihrer Gefühle akribisch nach – bis zu dem Punkt, an dem sie fast überwunden scheinen.

 

 

Kleine Lichter, das ist sprachliche Schönheit


Das erste Lesen des Klappentextes weckte in mir Erinnerungen an Nikolas Sparks – Wie ein einziger Tag.. Doch geht Willemsen viel tiefer und das keines falls stur verkopft, wie man es von einem Intellektuellen seiner Güteklasse erwarten könnte. Er zeichnet uns wunderschöne Sprachbilder, wie ich sie selten bei einem deutschen Autoren gefunden habe.

“Unser Anfang. Ich wünsche mir diesen Anfang immer wieder, denn als wir anfingen, war ich doch noch gar nicht richtig wach! Wäre ich ein Kind, ich müsste die Erde berühren und mich vergewissern: Du bist auf demselben Boden.“


Und holt den Hörer schließlich doch immer wieder in die Realität zurück:

“(…) Doch das wäre dann kein Boden mehr, und was ich berührte, würde immer berührbarer, als hätten wir uns nie angefasst, sondern würden erst jetzt anfangen, auf den Punkt zuzugehen, an dem man ahnt, wie das ist.”



 

 

Livelesung mit musikalischer Begleitung


Das Hörbuch ist ein Livemittschnitt aus dem Jahr 2005. Der Autor liest selbst und wird dabei am Piano begleitet von Jazz-Pianist Frank Chastenier. Das wird für den einen oder anderen Geschmackssache sein, da die musikalische Untermalung teilweise im Mittelpunkt steht und es immer wieder Längen gibt, in denen fast nichts zu hören ist, bis auf die ganz leisen Pianoklänge.

Mein abschließendes Urteil: Kleine Lichter, dass ist der einfühlsamste Willemsen, den ich bis jetzt gehört habe. Vielleicht hat er gerade deswegen aus der Perspektive einer Frau geschrieben, den was Willemsen sagt, hätte auch sehr gut aus der männlichen Perspektive erzählt werden können. Jedenfalls konnte ich Valeries Gefühle und Gedanken bejahen.

Spieldauer: 93min. auf 2 CDs

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