Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation von M. Rosenberg

Mittwoch, 20. Juni 2012

Gewaltfreie Kommunikation

Gewaltfreie Kommunikation

Konflike sind lösbar! Wie kann ich hilfreich mit Konflikten umgehen? Im persönlichen Gespräch mit Gabriele Seils gibt der international bekannte Psychologe Marschall B. Rosenberg Antworten auf Fragen, die angesichts steigender Aggressionen zwischen Kindern, in Familien und Partnerschaften, in Schulen und Betrieben, in den Städten ebenso wie zwischen Nationen immer dringlicher werden. Er lässt die Macht der Empathie spürbar werden und macht deutlich: Gewaltfreie Kommunikation ist eine faszinierende Möglichkeit.

 

 
 

Kommunizieren statt schweigen


Wo liegen die Ursachen von Gewalt? So lautet die Kernfrage, die der Psychologe und Anti-Gewalttrainer Marshall B. Rosenberg seit Jahrzehnten in den Mittelpunkt seiner Forschung stellt. Gewaltfrei Kommunikation (GfK) soll Menschen ermöglichen, so miteinander umzugehen, dass der Kommunikationsfluss langfristig zu mehr Vertrauen und Freude am Leben führt. GfK kann in diesem Sinne sowohl bei der Alltags-Kommunikation als auch bei der friedlichen Konfliktlösung im persönlichen, beruflichen oder politischen Bereich hilfreich sein. Im Vordergrund steht nicht, andere Menschen zu einem bestimmten Handeln zu bewegen, sondern eine wertschätzende Beziehung zu entwickeln, die langfristig mehr Kooperation und gemeinsame Kreativität im Zusammenleben ermöglicht. Synonyme sind Einfühlsame Kommunikation, Verbindende Kommunikation, Sprache des Herzens oder auch „Giraffensprache“.

 

 

Bedürfnis, Wunsch, Bitte – zuhören, verstehen (rückfragen), urteilen


Konflikte entstehen immer, überall, zu jeder Zeit. Ob im Privatleben oder beruflich. Gescheiterte Beziehungen, zerbrochenen Freundschafen, gescheiterte Projekte sind häufig das Resultat aus Konflikten. Laut Marshall. B. Roseneberg sind Konflikte durchaus heilsam, es kommt aber darauf an, wie wir damit – und vorallem unserem Gegenüber – umgehen.

Vereinfacht zusammengefasst: Konflikte entstehen wenn zwei Bedürfnisträger aufeinandertreffen. Bedürfnisträger sind wir alle. Denn wir alle haben Bedürfnisse. Jeden Tag, permanent. Ob wir Zuneigung, Verständnis oder Freiheit in einer Partnerschaft oder Freundschaft suchen oder Anerkennung und Erfolg im Berufsleben. In fast allen Fällen sind nicht die Konflikte an sich das Problem, sondern die Kommunikation zwischen den Akteuren. Man spricht hierbei von einem klassischen Sender-Empfänger Problem. Es kommt zu Missvertändnissen weil der Sender nicht eindeutig komuniziert, bzw. auf der anderen Seite der Empfänger nicht zuhört, also auch nicht verstehen kann und somit falsche Schlüsse zieht, den Sender also falsch beurteilt. Die Sprache ansich ist ein Medium, das zu Missverständnissen führen muss, da wir alle unterschiedlich sozialisiert wurden, also Sprache (einzelne Worte, Sätze, Formulierungen) für jeden eine andere Bedeutung hat.

Dieses Problem wird z.B. dann aktiv geschürt, wenn einer oder beide Beteiligten den Anderen (den Sender und seine Botschaft) absichtlich ignorieren, also Weghören oder/und Schweigen, gleich welche Absicht hinter diesem Handeln steckt, Selbstschutz oder Bestrafung des Gegenübers (letzteres ist häufig Folge einer Passiv-aggressiven Persönlichkeitsstörung). “Man kann nicht nicht kommunizieren” würde Paul Watzlawick sagen. Schweigen kann als eine Art Gewaltakt eingesetzt werden oder vom Gegenüber so empfunden werden. Rosenberg bezeichnet Menschen, die ihr Gegenüber nicht verstehen können (oder ganz bewußt nicht verstehen wollen) als Wölfe. Man kann davon ausgehen, das wir alle in Situationen geraten, in denen wir Wölfe sind und uns dessen klar werden sollten. Rosenberg definiert “das Zuhören” außerdem nicht als bloßes anhören, sondern vorallem als ein aktives, auf Rückfragen und Rückversicherungen basierendes Zuhören, also als einen Dialog.

Als Lösungsstrategie setzt der Psychologe auf Empathie. Nur im empathischen Dialog können Sender und Empfänger einander verstehen. Erst durch Rückfragen und Rückversichern können wir die Bedürfnisse und Wünsche unsere Mitmenschen verstehen. Und erst wenn wir den Menschen auf der anderen Seite verstehen, können wir beginnen uns ein Bild von ihm zu machen, zu urteilen (zu interpretieren) und nach Lösungswegen aus dem Konflikt suchen.

 

Mein Fazit


Das Interview mit Marshall B. Rosenberg ist eine phantastische Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation. Rosenberg schafft es immer wieder plastisch, an ganz alltäglichen Situationen beispielhaft aufzuzeigen wo gute Kommunikation ansetzt. Dabei führt er in den einzelnen Gesprächskapitel durch verschieden Lebenssituationen, wie Freundschaft, Familie, Partnerschaft oder Berufsleben.

Besonders beieindruckt hat das Kapitel über Liebe, Familie und Partnerschaft. Was meinen wir eigentlich, wenn wir einem Menschen sagen, das wir ihn/sie lieben? Ist es überhaupt sinvoll, oder anders formuliert, sollten wir einen Menschen mit einer generischen Formulierung wie “ich liebe Dich” überhaupt konfrontieren, kann dieser Mensch diese Aussage (also uns) überhaupt richtig verstehen? Oder sollten wir diese Aussage nicht viel präziser zuspitzen? Was meinen wir in diesem Moment eigentlich? Was fühlen wir genau? Rosenberg erklärt diese Situation sehr anrührend in einer Szene mit seiner Tochter, in der er ihr sagt, wie glücklich er ist, wenn er sie am Frühstückstisch sitzen sieht und ihr die Sonne ins Gesicht scheint.

Das Interview wird im Hörbuch souverän nachgesprochen von Ulrike Hübschmann und Tomas Hollaender. Ein Standardwerk des Anti-Gewalttrainings, das eigentlich absolut jeder gehört habe sollte. Jedenfalls könnten viele unglückliche Missverständisse so vermieden werden :(

Viel Spaß beim Nachhören! :)

 

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 1

Spieldauer: ca. 288min. (ungekürzte Lesung)

CDs: 4

Verlag: Steinbach Sprechende Bücher

Erschienen: 2007

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