Kurze Interviews mit fiesen Männern von David Foster Wallace

Montag, 3. Januar 2011

Kurze Interviews mit fiesen Männern

Kurze Interviews mit fiesen Männern von D.F. Wallace

“Willst Du mal eine krasse Geschichte hören?” – so beginnt eine der Geschichten in »Kurzen Interviews mit fiesen Männern« von David Foster Wallace — aber eigentlich könnte jede Unterhaltung in diesem Hörspiel so anfangen. Was wir von den fiesen Männern und Frauen hier zu hören bekommen, sind in der Tat beschämende Geständnisse. Ein schonungsloser Blick hinter die Fassaden unserer eigenen Selbstbesoffenheit. Ein Blick in den Spiegel. Leider ist die Hörspielfassung stark gekürzt.
 

 
 
 

So fies – wie das richtige Leben


Die „fiesen Männer“ (und Frauen) sind bei Wallace eher einsame Sprachbesessene, die ihre monströsen Macken ohne Rücksicht auf Regie und Einschaltquoten im wahrsten Sinne des Wortes vor sich ausbreiten. Und was man da zu hören bekommt, sind wahrlich unangenehme Geständnisse.

Ein Einarmiger schildert genüsslich und mit unverhohlenem Stolz, wie er die Frauen reihenweise mithilfe seiner gelähmten Hand ins Bett bekommt, ein anderer breitet den Alltag seines Vaters, der im Nobelhotel die Männerklos säuberte, in allen nur denkbaren akustischen und olfaktorischen Einzelheiten aus. Zunehmend verstört lauschen wir sodann der Leidensgeschichte einer anonymen “depressiven Person”, die sich im überdrehten Psycho-Jargon selbst zugrunde analysiert und dabei ihre Therapeutin zu Tode redet, während zwei Seiten weiter ein beziehungsgestörter Supermacho seiner (baldigen Ex-)Freundin seine Angst gesteht, er sei “vielleicht von Natur aus allein zum Anbaggern geschaffen, mit der unausweichlichen Konsequenz danach sofort die Schubumkehr zu aktivieren und abzuhauen.”

 

 

Mein Fazit


Der 2008 leider viel zu früh verstorbene Schriftsteller, David Forster Wallace, reiht in dem Erzählband »Kurzen Interviews mit fiesen Männern« 20 Geschichten im Interviewformat aneinander. Das Hörspiel gibt leider nicht einmal die Hälfte davon wieder. Dafür sind diese aber von einer eindringlichen Intensität. Die Texte (Gespräche) vorgetragen von Milan Peschel, Jörg Harmann, Max Hopp und einigen anderen, werden durch die Sprecher lebendig und erlangen eine andere Dimension.

Konsequenterweise bleiben auch im Hörspiel, wie in Wallace-Buch, die Fragen der unsichtbaren Gegenüber gänzlich unausgesprochen; werden hier durch ein Rauschen ausgeblendet. Die Konzentration des Hörers liegt dadurch ganz auf der Person des Interviewten und wird nicht von außen manipuliert.

Ein interessantes, hörenswertes Hörspiel, das aber aufgrund der starken Kürzung des 370 Seiten starken Buchs leider nur einen Ausschnitt dessen Wucht präsentiert. Mein Tipp: Hörspiel hören und trotzdem das Buch lesen! Es lohn sich.

Viel Spaß beim Nachhören!

 

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 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 3

Spieldauer: ca. 61min. (gekürzte Lesung)

CDs: 1

Verlag: Dhv der Hörverlag

Erschienen: 2010

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