Limit von Frank Schätzing

Dienstag, 4. Mai 2010

Limit von Frank Schätzing

Limit von Frank Schätzing

Der Hörwahnsinn: 1690 Minuten, das sind über 28 Stunden Hörbuch auf 22 CDs, gelesen von einem einzigen Sprecher: Heikko Deutschmann. Ich habe gekämpft, aufopfernd mit mir selbst gerungen und am Ende doch verloren. Nach 18 CDs flog mein Mp3-Player entnervt in die Ecke. Der Ausgang der Story war mir schnurzegal geworden. Trotz aller Akribie des Autors (oder gerade deswegen), bei Limit geht nur einer ans Limit und das ist der Hörer. Spannung wollte sich während dieses »Thrillers« bei mir jedenfalls nicht einstellen.
 

 

Völlig losgelöst von der Erde – Die Story


»Völlig losgelöst von der Erde schwebt das Raumschiff völlig schwerelos« heißt es im Songtext eines 80er Hits von Peter Schilling. Die Handlung von Frank Schätzings neuestem Roman wird mir noch länger wie Blei im Magen liegen:

Helium-3 – aus diesem Stoff sind die Zukunftsträume profitgieriger Unternehmer im Jahr 2025. Es wurde auf dem Mond entdeckt und soll den Hunger der Menschheit nach Energie stillen. Mit einer revolutionären Technik hat der Industrielle Julian Orley einen galaktischen Transportweg von der Erde zu seinem Trabanten geschaffen.

Die Story teilt sich dann in zwei Handlungsstränge auf, einer spielt sich rund um eine Gruppe Mondreisender ab, in eine futuristische Mondstation, auf der sowohl Menschen als auch Menschmaschinen arbeiten. Diese sorgt für den Nachschub an Helium-3. Julian Orley führt einen exklusiven Ausflugstrip zum Mond durch und hat dazu illustre Mitglieder der globalen Eliten eingeladen, welche sein Vorhaben finanziell unterstützen sollen.

 

 

Zur gleichen Zeit (im zweiten Handlungsstrang) ist Owen Jericho, ein Cybercop, dabei, in Schanghai einen Kinderporno-Ring zu sprengen. Er ist der Typus lonesome cowboy, der nach dem Scheitern im Privatleben einen leidenschaftlichen, aber aussichtslosen Kampf gegen das Böse führt. Jericho erhält den Auftrag, die chinesische Dissidentin Yoyo zu finden. Sie ist im Besitz eines Geheimnisses, das mächtige Gegner auf den Plan ruft. Calgary, Berlin, Dallas, London, Venedig, Äquatorialguinea und Vancouver werden zu Schauplätzen einer globalen Hetzjagd, bei der er auf die Spur des Geheimbundes “Hydra” stößt. Parallel kämpfen Konzernlenker, Diktatoren und Geheimdienste erbittert um die letzten Rohstoffe der Erde; Bürgerkriege, Korruption und Armut treiben die inzwischen 10 Milliarden Bewohner der Erde scheinbar unaufhaltsam auf einen Abgrund zu, der das Ende der menschlichen Zivilisation markiert.

Ausführlicheres zur Handlungen sowie ein Personenregister findet ihr im Wikipediaartikel zu Limit und auf der offiziellen Website

 

Zu viel, zu voll und zu unübersichtlich…


…so könnte man meine Meinung zu Frank Schätzing’s Limit zusammenfassen. Bei aller Sympathie für den Autor und seiner Liebe zum Detail. Für einen »Thrillers« (als der Limit vermarktet wird) ist Schätzings Buch zu umständlich. Wirklich interessanten Fakten verschwinden in einem gähnend langweiligen Actionmachwerk. Noch nie hatte ich während des Lesens Hörens eines Buches so oft den Gedanken: »Da will einer mit aller Gewalt auf die Leinwand.« Dazu lässt der Autor ein Arsenal von sage und schreibe 88 Personen auftreten, die oft auch noch asiatische Namen tragen, so das dem Leser die Übersicht förmlich abhanden kommen muss.

Schätzing hätte lieber ein interessantes Sachbuch über kommende Verteilungskämpfe und die Chance der Monderschließung schreiben sollen. Die Action als Drehbuch hätte dann auch einer der James Bond-Autoren schreiben können, die hätten das sicherlich auf 50 Seiten hinbekommen.

 

Limit – das Hörbuch sprengte die Grenzen meiner Geduld


Was war »Der Schwarm« nicht für ein Hörerlebnis. Der Mix aus Hörbuch und Hörspiel und den verschiedenen Sprecher plus einer angemessene Soundkulisse, das konnte sich wirklich hören lassen.

 

 

Heikko Deutschmann ist um angemessene Betonung des Gelesenen bemüht, doch gelingt es ihm zu keinem Zeitpunkt den Figuren (88 an der Zahl) Individualität zu verleihen. So fällt einem ein aufmerksames Zuhören schwer.

Bewegte sich bei »Der Schwarm« alles noch irgendwie in einem angemessenen Rahmen, fällt bei »Limit« am deutlichsten der Preis aus dem Selbigen. Die 49,- Euro jetzt immerhin noch 39,- Euro sind wohl durch die 22 CDs und die Marketingmaschinerie um den Roman zu erklären (siehe Limit-Website). Durch die Qualität des Hörbuches jedenfalls ganz sicher nicht.

 

 

Dementsprechen geteilt war auch das Echo auf diesen Roman in der Presse. Eine ähnliche Meinung wie ich vertritt u.a. der Stern.

 

Mein Fazit


Bei Limit hatte ich nach 2CDs den Faden verloren und Spannung kam bei mir zu keinem Zeitpunkt auf. Nach 18 CDs war dann Schluss. Und im Nachhinein bereue ich die investierte Zeit.

Frank Schätzing hätte lieber ein interessantes Sachbuch über kommende Verteilungskämpfe und die Rolle einer möglichen Monderschließung schreiben sollen. Die Action dieses überlangen »Drehbuches« hätte es nicht gebraucht, und wenn, wäre sie von einem der James Bond-Autoren wesentlich spannender auf 50 Seiten formuliert worden. Dieses Hörbuch bekommt von mir lediglich ein ausreichend.

 

Spieldauer: ca. 1690min.

CDs: 22

Verlag: DhV

Erschienen: 2009

Sag Deine Meinung

 

Unsere Hörbuch-Empfehlungen: