M – Eine Stadt sucht einen Mörder von Fritz Lang

Freitag, 19. März 2010

M von Fritz Lang

M von Fritz Lang

Fritz Langs Klassiker „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ist für mich eine ganz neue Form des Hörspiels, denn er ist eigentlich ein Hörfilm! Ein Mix aus den Originalstimmen der Schauspieler Gustav Gründgens, Peter Lorre und co, neu eingespielten Hörspielsequenzen, Erzähltext und Berichterstatttung. Obwohl ich den Film schon mehrmals gesehen habe, ist die Hörversion noch einmal ein neues, anderes tolles Erlebnis.

 

 
 

Inhalt: Ein Kindermörder hält die Stadt in Atem


Eine Stadt sucht einen Kindermörder. Dieser tötet grausam und hinterhältig. Sowohl die Polizei als auch die versammelte Unterwelt nehmen die Verfolgung auf. Unter Führung des Schränkers (Gustav Gründgens) spannen sie für die Suche auch Bettler und Bedürftige in die Fahndung ein.

 

 

Der Mörder wird von einem blinden Ballonverkäufer erkannt, auf dessen Hinweis hin von einem „Kollegen“ mit einem „M“ auf dem Mantel markiert und flüchtet in ein Bürogebäude, das die Kriminellen umstellen. Unter Einsatz von Einbruchswerkzeug durchsuchen sie das Haus und bringen den gefangenen Kindermörder in eine stillgelegte Fabrik. Dort ist die gesamte Halb- und Unterwelt versammelt und macht ihm einen makabren Prozess. Dabei drückt er verzweifelt seine Selbstentfremdung und innere Spaltung aus:


„Immer muss ich durch Straßen gehen, und immer spür ich, es ist einer hinter mir her. Das bin ich selber! (…) Manchmal ist mir, als ob ich selbst hinter mir herliefe! Ich will davon, vor mir selber davonlaufen, aber ich kann nicht! Kann mir nicht entkommen! (…) Wenn ich’s tue, dann weiß ich von nichts mehr… Dann stehe ich vor einem Plakat und lese, was ich getan habe, und lese. Das habe ich getan?“


Kriminalkommissar Lohmann erreicht den Ort in letzter Minute und verhindert, dass das Tribunal den Mörder lyncht. Allerdings wird er dann von einem Gericht für schuldig befunden und zum Tode verurteilt, die Vollstreckung selbst wird aber nicht gezeigt.



 

Lang bezeichnete sein Werk selber als Dokumentarfilm


„Der Kampf des individuums gegen das Schicksal liegt wohl allen meinen Filmen zugrunde, das Ringen des (primär guten) Menschen gegen höhere, überlegene Gewalt, sei es Gewalt einer allgemeinen akzeptierten Ungerechtigkeit, sei es die Gewalt einer korrumpierten Organisation , Gesellschaft oder Obrigkeit. Oder sei es die Gewalt seiner eigenen bewußten oder unbewußten Triebe.“



 

Fritz Lang bei Dreharbeiten

Fritz Lang bei Dreharbeiten (Quelle: Bundesarchiv)



 

Fritz Langs Geschichte (Koautorin war seine Frau Thea von Harbou) über einen Kindermörder sollte in er Realität verankert sein, mit Anklängen an berüchtigte Serienmörder wie Fritz Haarmann oder Peter Kürten. Deshalb studierten die Langs Zeitungsartikel udn Polizeiakten.



 

Eine Geschichte von beklemmender Aktualität


Ein Hörspiel das aktueller nicht sein könnte: über die technologische Natur der modernen Stadt, über Gewaltbereitschaft ihrer Bewohner und über den Versuch, die Welt durch das Ansammeln und Archivieren von Daten und Fakten zu kontrollieren. Über die Konsumgesellschaft und über diejenigen, die darin nicht mehr wahrgenommen werden; über „gesundes Volkempfinden“ und den daraus resultierenden Umgang mit Außenseitern. Über Angst, die verbindet – durch das gemeinsame Gefühl der Bedrohung – und die trennt – durch gegenseitige Verdächtigungen.



 

Die neu für den Bayerischen Rundfunk inszenierte Fassung ist ein Film für die Ohren


Für das Hörspiel wurden verschiedene Techniken kombiniert. Unter der Leitung von Michael Farin bilden das Fundament Originalsequenzen aus dem Film, mit Dialogen von Gustav Gründgens, Peter Lorre und anderen Originalstimmen der 1931 erschienen Filmfassung. Dazu wurden neue Hörspielszenen inszeniert u.a. mit Axel Milberg (auch bekannt aus dem Kino „Nach fünf im Urwald“, „Der Campus“ oder „Rossini“). Dazu kommen Erzählpassagen gesprochen von Schriftsteller und Radiosprecher Gert Heidenreich.

Auch für denjenigen, der den Film schon kennt, ist das Hörspiel noch mal eine neue Perspektive auf den Stoff. Ein reinhören lohnt!

Viel Spaß dabei!

Spieldauer: 56min Verlag: Der Audio Verlag

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