Nemesis von Philip Roth

Sonntag, 27. Februar 2011

Nemesis von Philip Roth

Nemesis von Philip Roth

Für das dritte Hörbuch seines aktuellen Zyklus kehrt Philip Roth in seine Heimat Newark in New Jersey zurück. 1944 wütet hier einen verheerende Polioepidemie. Wie schon in seinen Vorgängern thematisiert Roth das Motiv schicksalshafter Entscheidungen und die Möglichkeit von göttlicher Racher. Trotz des brillianten Sprechers Joachim Schönfeld fällt dieser Roman hinter die Vorangegangenen zurück.
 

 
 
 

Philip Roth auf der Höhe seiner Kunst


Newark 1944. In der Stadt bricht eine schreckliche Polioepidemie aus. Die meisten Betroffenen sind Kinder, denen Lähmung oder gar der Tod droht. Bucky, ein junger Sportlehrer, bewahrt die Ruhe, während in den Familien Panik herrscht. Als er seine Freundin Marcia in ein Kinderferienlager begleitet, scheint der Fluch der Seuche in der idyllischen Landschaft gebannt. Doch wenige Tage nach Buckys Ankunft erkranken auch hier zwei Jungen an Polio und ihn beschleicht ein schrecklicher Verdacht …

Der Roman gliedert sich in drei Teile, wobei der Erzählfluss im Wesentlichen linear bleibt und nur von wenigen kurzen biografischen Rückblenden unterbrochen wird. Die ersten beiden Teile hängen nahtlos zusammen und sind lediglich durch den Ortswechsel abgegrenzt. Der erste Teil Äquatorial-Newark spielt in Newark, der zweite Teil Indian Hill im Ferienlager in den Appalachen. Erst als gegen Ende des ersten Teils Arnie Mesnikoff an Poliomyelitis erkrankt, wird er als der fiktive Erzähler des Romans erkennbar. Im kurzen dritten Teil Wiedersehen, der in den 1970er Jahren spielt, fungiert er dann explizit als Icherzähler.

Während die ersten beiden Teile von einem unmittelbaren Erzählen des Geschehens und den direkten Reaktionen, Gedanken und Empfindungen der handelnden Personen beherrscht werden, fließen in den dritten Teil viele weltanschauliche Reflexionen des erst hier deutlich erkennbar werdenden Erzählers Arnie Mesnikoffs darüber ein. Der Roman ist in diesem Sinne zweigeteilt in eine konventionelle Erzählung und eine zeitlich und gestalterisch abgesetzte lebensbilanzierende Retrospektive.

 

 

Philip Roth und das Schicksalsmotiv


Wie in seinen Vorgängerromanen Empörung und Die Demütigung spielt auch in »Nemesis« (dt. Untergang) für Philip Roth das Motiv des Schicksals und seine persönliche Ausseinandersetzung mit Glauben und einer göttlichen Ordnung eine tragende Rolle. Hier in Form von göttlicher Vorsehung (Gerechtigkeit, numinoser Rache). Roth bedient sich der Polio-Epidemie, um die Reaktion seiner Helden auf eine unsichtbare und dadurch besonders unheimliche Bedrohung zu untersuchen. Es heißt, die Lektüre von Albert Camus’ Roman “Die Pest” (1946) habe ihn dazu bewegt. Vor Camus war es der Brite Daniel Defoe, der 1722 die Ängste und Agressionen von Londons Bevölkerung auf einen Ausbruch der Pest in seinem “Journal of the Plague Year” schilderte. Wer sich den “Cuture Review” der BBC anschaut (Video oben) wird überrascht sein, was die “Kritiker” noch so alles mit diesem Roman verbinden… bis hin zum Holocaustroman.

 

Mein Fazit


Das neueste Hörbuch von Philip Roth ist der dritte Teil seines aktuellen Zyklus (die ersten Teile waren „Empörung“ und „Die Demütigung“). Leider entwickelt »Nemesis« nicht die Intensität, die man von Roths Vorgängern gewöhnt ist. Das Szenario wirkt abgekupfert, der Protagonist mit seinen Gewissensbissen und überzogenen Pflichtgefühl aufgesetzt bis unglaubwürdig. Die Spannungselement kommen in diesem Roman eindeutig zu kurz

Lichtblick dieses Hörbuchs ist Sprecher Joachim Schönfeld. Roth und Schönfeld gehören für mich mittlerweile untrennbar zusammen.

Viel Spaß beim Nachhören!

 

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 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 3

Spieldauer: ca. 382min. (ungekürzte Lesung)

CDs: 6

Verlag: der Hörverlag

Erschienen: 2010

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