Saturday von Ian McEwan

Mittwoch, 23. November 2011

Saturday von Ian McEwan

Saturday von Ian McEwan

Der erfolgreiche Neurochirurg Henry Perowne erwacht am Samstag, den 15. Februar 2003, ungewöhnlich früh. Sein Leben ist nahezu perfekt. Er ist Ende vierzig, schon lange verheiratet und noch immer in seine Frau verliebt, hat einen angesehenen Beruf und zwei wohlgeratene talentierte Kinder. An diesem Samstagmorgen liegt etwas in der Luft, das über die angekündigte Demonstration gegen die Teilnahme der Briten am Irakkrieg hinausgeht. Spannung pur mit Sprecher Jan Josef Liefers!
 

 
 
 

Saturday – Ian McEwan über Neurochirurgie und Terror


Wie so oft bei Ian McEwan bringt ein kleiner Vorfall, in diesem Falle ein harmloser Autounfall, Prozesse ins Rollen, deren Nachwirkungen die Beteiligten bis ins Mark erschüttern – und manchmal sogar für immer zeichnen. Das Leben Henry Perownes, das sich in der gehobenen Mittelklasse abspielt, wird von einem Eindringling gestört, der nicht nur akut das Wohl der Familie bedroht, sondern auch die Fragilität der zwischenmenschlichen Beziehungen der Familienmitglieder offen legt. All dies passiert vor dem Hintergrund des drohenden Konfliktes der westlichen mit der islamischen Welt, deren Beziehungen ebenfalls auf Messers Schneide stehen. Sowohl Perownes Familie als auch die Welt werden in diesem Moment vom Terror bedroht.

Durch die Anschläge in London vom 7. September 2005 hat Saturday einen beängstigend prophetischen Aspekt bekommen. Der Roman dreht sich um die Frage, wie man in dem Bewusstsein leben kann, dass der Terror unweigerlich im eigenen Leben ankommt. Dennoch sollte Saturday nicht nur als Vorausdeutung des Terrors oder als politischer Roman verstanden werden. Denn Saturday ist auch ein Zeitgemälde und eine fesselnd erzählte Familiengeschichte, die dem Leser in McEwans unnachahmlichen Stil, der auch in der Übersetzung von Bernhard Robben gut zur Geltung kommt, ein fast schon rauschhaftes Erlebnis beschert. Weniger zynisch als in seinen frühen Werken, scheint es fast, als sei „Ian McNasty“, wie er hin und wieder vom britischen Feuilleton genannt wurde, wenn schon nicht weich oder gar harmlos, so doch zumindest ein wenig menschlicher geworden.

 

 
Auf Youtube habe ich ein äußerst interessantes Interview der BBC mit Ian McEwan gefunden. Der Autor erläutert in dem sehr persönlichen Gespräch seine Motivation zu Saturday. Dafür blickt er zurück auf sein Gesamtwerk. Er äußert sich außerdem zum Irak-Krieg, seiner News-Sucht, seiner Liebe zu London und dem Sport, und warum ihn das Thema Neurochirurgie so phasziniert.
 

Mein Fazit


Eine Geschichte, die Anfang der Zweitausenderjahre nicht nur wegen ihrer Terrorprophezeiungen für Schlagzeilen sorgte und die Leser fesselte. Inspiriert von Mrs. Dalloway und Ulysses spielt die Handlung von »Saturday« an einem einizen Tag. Dazu wählte McEwan bewusst bekannte Londoner Schauplätze.

Mich beeindruckt bei diesem Roman weniger der politische Hintergrund (Thema Irak-Kireg und die darauß resultierende Angst vor Terroranschlägen), dieser ist blas und auch die Geiselnahme ist eher unspektakulär. Nein, wieder einmal beeindruckt Ian McEwans Liebe zum Detail. McEwan hat nicht nur die Gabe präziese Bestandsaufnahmen unserer Zeit zu machen, sondern er kann sich auch gänzlich in Personen (vor allem in deren Professionen) hineinversetzen. Ähnlich wie in seinem Roman Solar taucht er auch hier in ein apartes berufliches Fachgebiet ab, die Neurochirurgie. Dafür schaute Mcewan seinem Freund, dem Neurochirugen Neil Kitchen mehrere Monate über die Schulter. Einen so detaillierten Einblick in den Arbeitsalltag der Halbgötter in weiß bekommt sonst wohl nur an der Uni.

Gelesen wird dieses Hörbuch solide von Jan Josef Liefers, der sich in dieser Rolle, sicher auch wegen seiner beruflichen Vorkenntnisse hörbar wohlfühlt. »Saturday« von Ian McEwan ist eine Empfehlung wert, nicht nur für grauer Samstagnachmittag auf der Couch.

Viel Spaß beim Nachhören!

 

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 2

Spieldauer: ca. 440min. (gekürzte Fassung)

CDs: 6

Verlag: Diogenes Verlag

Erschienen: 2005

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