Schoßgebete von Charlotte Roche

Samstag, 24. September 2011

Schoßgebete

Schoßgebete

»Schoßgebete« ist der zweite Roman von Charlotte Roche. Leider geht das was Roche zu sagen hätte (Umgang und Verarbeitung mit traumatiischen Erfahrungen; Bekämpfung unserer eigenen Senationsgeilheit) im pseudorevolutionären, infantilen Gebrabbel um “Monogamie in der Ehe” und “Analverkehr” unter. Am Ende bleibt ein Roman im luftleeren Raum, der auch als von der Autorin gelesenes Hörbuch nicht zu überzeugen weiß.
 

 
 
 

Schoßgebete


»Schoßgebete« erzählt von Ehe und Familie aus der Sicht einer unerschrockenen wie verunsicherten jungen Frau. Sie liegt immer auf der Lauer, ist immer kontrolliert, immer aufs Schlimmste gefasst. Nur beim Sex ist Elizabeth Kiel plötzlich frei, nichts ist ihr peinlich. Dann vergisst sie alle Pflichten und Probleme. Und hat nur ein Ziel vor Augen – mit der Liebe ihres Lebens für immer zusammenzubleiben.

„Ich möchte auf keinen Fall zu den Leuten gehören, die nichts machen, nur weil es die anderen auch nicht tun.“


Immer tagsüber und Fenster zu wegen der Nachbarn. So mag es Elizabeth am liebsten. Ihr Mann macht beide Heizdecken auf dem Bett an, dann kanns losgehen. Sie fährt sofort mit ihrer Hand rein in Georgs XXL-Yogahose. Und ab hier betrügt sie ihre Mänenr hassende Mutter, die ihr beibringen wollte, dass Sex etwas Schlechtes sei. Hat aber nicht geklappt, Glück für Georg, Glück für Elizabeth. Denn nur beim Sex fühlt sie sich wirklich frei, muss nicht über alles nachdenken, was in ihrem Leben vielleicht gerade schiefläuft. Oder besser: schon alles schief gelaufen ist.

„Ich will leben: Fick mich zurück ins Leben!.“


Das ganze Elend mit ihrer Mutter zum Beispiel oder die geplatzte Hochzeit mit ihrem Exfreund. Dem hat Georg damals nach dem Unfall Elizabeth praktisch abgekauft, wie ein Kamel auf dem Basar. Seitdem arbeitet sie bis zru Selbstaufgabe an einem riesengroßen Ziel – für immer mit Georg zusammenzubleiben. Keine kleine Aufgabe für eine Frau, die sich sogar von ihren Eltern getrennt hat und für die Monogamie der größte Irrtum unseres Lebens ist.

 

 

Mein Fazit


Als ich vorab die Kritiken zu Charlotte Roches neuem Roman »Schoßgebete« gelesen habe, konnte ich erst nicht verstehen warum sich alle so über den „kalkulierten Tabubruch“ der Autorin echauffieren. Schließlich ist es das, was man nach dem ersten Buch (»Feuchtgebiete«) erwarten darf/muss.

Nach dem Hörbuch kann ich diese Meinung allerdings nachvollziehen. Den Charlotte Roche hätte durchaus etwas zu erzählen. Die tragische Geschichte des tödlichen Unfalls der 3 Brüder Elizabeth Kiels, und die sensationsgeil sabbernde Boulevardpresse, welche das Schicksal der Familie bis ins letzte Detail ausschlachten und vermarkten will. Angelehnt an die Biographie der Autorin und deren Außeinadersetzung mit der BILD-Zeitung eigentlich ein Zündstoffthema mit gesellschaftlichem Aufklärungscharakter.

Doch leider wird die Story unnötig – aber wohl kalkuliert und auflagesteigernderweise – in eine pseudosexuellevolutionären Klamauk eingebettet (gab es das nicht alles vor 40 Jahren schon?), so dass in dem infantilen Gebrabbel um „Polöcher“, „Analwürmern“ und all der „Arschfickerei“ am Ende fälschlicherweise das bis ins letzte Detail sezierte Liebesleben der Protagonisten im Mittelpunkt steht. Übrig bleibt weder eine interessante noch eine erotische Geschichte, sondern ein „Roman“ im luftleeren Raum.

 

 

Das die Autorin das Hörbuch selber liest, ging, wie Charlotte Roche im Video selber sagt gar nicht anders, weil man diese Geschichte keinem anderen Sprecher hätte zumuten können. Es gibt unterhaltsamere Hörbücher.

 

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 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 4

Spieldauer: ca. 579min. (ungekürzte Lesung)

CDs: 8

Verlag: Osterwold Audio

Erschienen: 2011

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