Solar von Ian McEwan

Freitag, 7. Januar 2011

Solar von Ian McEwan

Solar von Ian McEwan

Das Hörbuch »Solar« von Ian McEwan ist ein avantgardistischer Roman zum Thema Erneuerbare Energien; eine moralische Abrechnung mit einer geltungssüchtigen Politik, einem sich im Elfenbeinturm verkriechenden Wissenschaftsbetrieb und – vor allem – mit einer speziellen Sorte Mann. Der tragisch-komische Protagonist, der fiktive Nobelpreisträger der Physik, Michael Beard, ist ein maßloser, hedonistischer Egoist, der sich einen Kehricht um seine Umwelt oder unsere Zukunft kümmert. Eine gelungene Satire und das vielleicht bisher beste McEwan-Buch.
 

 

Solar – Klimawandel vs. Psychoanalyse


Der etwas verschrobene Michael Beard, 53, ist Nobelpreisträger der Physik. Seine besten Zeiten liegen hinter ihm. Den Zenith seiner Karriere überschritten lebt er von seiner Reputation, gibt seinen Namen für Briefköpfe her, käut seine prämierte Idee in Vorträgen wieder und ergattert Fördergelder für ein politisches Prestigeprojekt: das Institut für Erneuerbare Energien. Wirklich neue Energie aber steckt er nur in den privaten Bereich:

Während seiner fünften Ehe hat er es zu elf Affären gebracht. Nun aber rächt sich seine Frau und nimmt sich einen Liebhaber, ausgerechnet Beards nervenden Assistent. Aldous, der sich mit seinem jugendlichen Elan Gedanken über Klimawandel und Ökologie macht, kommt in Beards Beisein tragisch ums Leben und der alternde Professor wittert die einmalige Gelegenheit noch einmal auf die große wissenschaftliche Bühne zurückzukehren. Beard bekommt Aldous’ Forschungsarbeit über die Verwendung von künstlicher Photosynthese zur Energiegewinnung in die Hände. In der Gewissheit das niemand von dem Schwindel weiß, verkauft er von nun an die Ideen seines Schülers als seine eigenen.

 

 

Mein Fazit


Dieses Hörbuch begeistert mich auf so mannigfache Art und Weise, das ich nicht weiß, wo ich anfangen soll. Das detaillierte Wissens des Autor auf dem Fachgebiet der Solartechnik und Quantenmechanik, und der lässige, leichte Umgang damit, ist beeindrucken. Wie schon in dem Roman Saturday hat man das Gefühl, einem Experten über die Schulter zu hören. McEwan ist aber nicht nur ein avantgardistischer Roman zum Thema Erneuerbare Energien, sondern vor allem eine moralische Abrechnung gelungen. Abgerechnet wird mit einer geltungssüchtigen Politik, einem sich im Elfenbeinturm verkriechenden Wissenschaftsbetrieb und – vor allem – mit einer speziellen Sorte Mann.

Der fettleibige, maßlose Hedonist Michael Beard, der sein Leben durch seinen Trieb nach Alkohol, Essen und Frauen verkorkst. Er lügt und betrügt, ist ausschließlich auf seinen Vorteil bedacht und im Umgang mit seinen Mitmenschen oberflächlich und ignorant. Die Zukunft schert ihn wenig, versucht er doch Nachwuchs genauso hartnäckig zu vermeiden, wie eine monogame Bindung. Und doch schließt der Hörer den unliebsamen Wissenschaftler irgendwie ins Herz, was der satirischen Erzählkunst des Autors zu verdanken ist. Hier und dort fühlte ich mich an einen tragisch, komischen Pnin von Nabokov erinnert.

Besonders gefreut hat mich, das der Diogenes Verlag eine ungekürzte Lesung vorgelegt hat. Gelesen werden die 9 CDs Hörbuch von Burghart Klaußner, dessen Stimme zum Protagonisten wie die Faust aufs Auge passt.

Abgerundet wird diese Ausgabe durch das 12 Seiten umfasssende Booklet, das neben den obligatorischen Informationen über Autor und Sprecher noch die fiktive Nobelpreisrede eines Professor Nils Palsternacke von der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften parat hält. Schöne Idee.

Viel Spaß beim Nachhören!

 

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 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 1

Spieldauer: ca. 673min. (ungekürzte Lesung)

CDs: 9

Verlag: Diogenes Verlag

Erschienen: 2010

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