Stadt der Engel von Christa Wolf

Samstag, 4. Februar 2012

Stadt der Engel

Stadt der Engel

Lange wurde sie erwartet. Nun ist sie da, Christa Wolfs monumentale Rückschau: auf ihr Leben in den drei deutschen Staats- und Gesellschaftsformen, auf Brüche und Neuanfänge. »Stadt der Engel« ist ein Anschreiben gegen das Vergessen, begonnen zu einem Zeitpunkt, als ein Vergessen für die Autorin eine Wohltat gewesen wäre. Eine berührende Identitätssuche und kraftvolle Lebensbejahung – gelesen von der Autorin selbst.
 

 
 

Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud


Das Opus Magnum von Christa Wolf, »Stadt der Engel«, nun auch als Hörbuch. Geboren 1929 als Christa Ihlenfeld in Landsberg/Warthe, das heute zu Polen gehört, musste sie 1945 mit der Familie nach Mecklenburg fliehen. Mit der Absolvierung des Abiturs fand auch der Eintritt in die SED statt, deren Mitglied sie bis Juni 1989 bleiben sollte. Mit dem Berufsziel Lehrerin nahm sie im Gründungsjahr der DDR das Studium der Germanistik und Pädagogik in Jena auf und wechselte später nach Leipzig.

Von 1963 an kandidierte sie für das Zentralkomitee der SED, verlor diesen Status jedoch 1967, nachdem sie eine kritisch Rede auf dem 11. Plenum des höchsten Parteigremiums gehalten hatte. Wegen ihres Protestes 1976 zusammen mit ihrem Mann gegen die Biermann-Ausbürgerung, wurde sie aus dem Schriftstellerverband der DDR und ihr Mann sogar aus der Partei ausgeschlossen. Unter den Argusaugen Staatsicherheit entwickelte sich Wolf zu einer literarischen und moralischen Instanz in Ost und West der 1970er-Jahre, geschätzt vor allem für die Authentizität ihres Schreibens.

 

Stasi-Akteneinsicht Christa Wolf


Nach der Wiedervereinigung ergießt sich in Deutschland der Hass des Feuilletons über die vermeintliche Stasi-Zuträgerin Christa Wolf. 1992 hatte Christa Wolf Einsicht in ihre Stasi-Akten genommen. Jahrelang war sie wegen ihrer system kristischen Haltung observiert worden, 42 Bände umfasst ihre “Opferakte”, wobei die Akten der Achtzigerjahre, in denen die Autorin sich mehr denn je gegen das SED-Regime wandte, als vernichtet gelten. Dann fällt ihr die eigene “Täterakte” in die Hand, ein einziger Band, der neben vielen bürokratischen Bemerkungen auf zwei Dutzend Seiten ihre wenigen Treffen mit Mitarbeitern der Staatssicherheit dokumentiert.

Im Januar 1993 bekennt Christa Wolf sich in der Berliner Zeitung öffentlich dazu, dass sie zwischen 1959 udn 1962 als Redakteurin der Literaturzeitschrift “neue deutsche literatur” zu Gesprächen mit der Staatsicherheit geladen worden war und als IM “Margarete” über oppositionelle Schriftsteller berichten sollte. Keine Woche später reagiert der Spiegel auf Wolfs “allzu zaghafte Selbstbezichtigung” mit einer gründlichen Demontage der Autorin und gewährt dem Leser ausführlich Einsicht in die Akten. Die unmittelbar darauffolgende “Stasi-Debatte”, welche die Autorin auf die drei Jahre 1959 bis 1962 als Inoffizielle Mitarbeiterin reduzierte, traf Christa Wolf schwer.

Sie flieht im Anschluss daran für einen längeren Aufenthalt nach Los Angeles. Dort schafft sie sich den überlebensnotwendigen Abstand. In der Annäherung an die Stadt nähert sie sich auch sich selbst.

 

 

Mein Fazit


Was soll ich groß über die Autobiographie der Schriftstellerin Christa Wolf urteilen, ich kenne ja nicht einmal ihre Roman. Schade nur, dass ich nach diesem Hörbuch sie auch gar nicht mehr lesen hören möchte. Da mag diese Biographie ja noch noch so intellektuell gepriesene Hochkultur sein. Sicher ein Hörgenuss für Historiker und Literarturwissenschaftler, die sich mit den Wendejahren der DDR befassen, für mich ist Christa Wolfs Rückblick jedenfalls nicht das richtige gewesen.

Christa Wolfs stimme klingt schwerfällig und monoton. Der fast depressive Grundton strengt nach längerem hören sehr an. Sehr schade, vielleicht versuche ich es in Zukunft noch einmal mit der gedruckten Ausgabe.

 

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 4

Spieldauer: ca. 763min. (gekürzte Fassung)

CDs: 9

Verlag: DAV

Erschienen: 2011

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