Tante Julia und der Kunstschreiber von Mario Vargas Llosa

Montag, 4. Juli 2011

Tante Julia

Tante Julia

Von Mario Vargas Llosa stammt dar Satz „Das Leben ist ein Sturm aus Scheiße, die Kunst der einzige Regenschirm, den wir haben.“ Mit dem Roman »Tante Julia und der Kunstschreiber« demonstriert er eindrucksvoll was Kunst kann. Das Hörspiel, produziert vom Schweizer Radio DRS, ist für mich schon jetzt das Hörspiel des Jahres. Anspruchsvoll, unterhaltend, klar, schnörkellos auf den Punkt… Großes Kino!
 

 
 
 
 

Ein Hörspiel über Hörspielautoren


Peru in den 50ern: Das Publikum liebt die Hörspiel-Seifenopern von Radio Central. So auch der 18jährige Nachrichtenredakteur Mario, genannt Varguitas, der vom Schriftstellerleben träumt und sich den Hörspielautor Pedro Camacho als Vorbild wählt, der mit seinen trivialen Hörspielen zu einer echten Berühmtheit im Land geworden ist. Als Tante Julia, eine 32jährige Bolivianerin, nach ihrer Scheidung nach Lima kommt, um dort einen Ehemann zu finden. verliebt sich Mario in sie. Aus der anfänglichen versteckten Verliebtheit wird allmählich eine große Liebe, dann ein Skandal.

 

Über den Autor : Mario Vargas Llosa


Mario Vargas Llosa wurde am 28. März 1936 in Arequipa (Peru) geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Bolivien, Piura (Nordperu) und Lima. Im Alter von 18 Jahren heiratete er Julia Urquidi, mit der er neun Jahre zusammenlebte. Diese Beziehung verarbeitete er später in seinem Roman Tante Julia und der Kunstschreiber . Bereits während seines Studiums der Geistes- und Rechtswissenschaften in Lima und Madrid (Promotion über Gabriel García Márquez) schrieb er für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen und veröffentlichte erste Erzählungen. 1963 erschien sein erster Roman La ciudad y los perros (dt. Die Stadt und die Hunde ), der auf eigenen Erfahrungen in der Kadettenanstalt Leoncio Prado in Lima beruht. Der Roman wurde in Spanien mehrfach ausgezeichnet und in über 20 Sprachen übersetzt. Vargas Llosa war als Gastprofessor in Washington, Puerto Rico, London, New York und Cambridge tätig. 1989 bewarb er sich als Kandidat der oppositionellen Frente Democrático für die peruanischen Präsidentschaftswahlen und unterlag 1990 im zweiten Wahlgang. Daraufhin zog er sich aus der aktiven Politik zurück. Mario Vargas Llosa ist Ehrendoktor verschiedener amerikanischer und europäischer Universitäten und hielt Gastprofessuren unter anderem in Harvard (1992), Princeton (1993)

 

Mein Fazit


Das Hörspiel »Tante Julia und der Kunstschreiber« von Mario Varga Llosa, produziert vom Schweizer Radio DRS, ist für mich der Nummer 1 Kandidat auf den Preis „Hörspiel des Jahres“. Diese phantastische Inszenierung des 1977 erschienen Romans, eine Mischung aus Liebestragödie und bissiger Gesellschaftssatiere, bietet alles was das Herz eines Hörspiel-Fans höher schlagen lässt.

Das besondere an diesem Werk sind die Hörspielszenen im Hörspiel, die in die Handlung eingeflossen sind und schon abstruse Züge annehmen können. Die übertriebene Darstellungsweise und die verdrehte Handlung sind urkomisch und bilden immer wieder Highlights innerhalb des Romans. Dieser wird dominiert von langen Erzählparts, die teilweise schon eher an ein Hörbuch als an ein Hörspiel erinnern.

Hier fasziniert die Sprache mit der der Nobelpreisträge Mario Vargas Llosa seine Protagonisten auftreten lässt. Anspruchsvoll aber trotzdem klar, schnörkellos auf den Punkt, zeichnet er Gedanken der Akteure: z.B. in moralischen Entscheidungen…

“(…) dachte er, dies sei eine vorzügliche Gelegenheit, die moralischen Normen zu erproben, die er sich seit seiner Jugend gesetzt hatte und der entsprechend es besser sei, die Menschen zu verstehen als sie zu verurteilen.“

…oder urteilt er schonungslos offen über deren Manierismen, so z.B. über Pedro Camacho:

“Er gehörte zu den Menschen, die keine Gesprächspartner zulassen, sondern nur Zuhörer.

Die 10 CDs des Hörspiels werden u.a. gesprochen von André Jung, Herlinde Latzko und Christoph Bantzer, allesamt noch relativ unetabliert in der Szene. Die Sprecher stehen bei dieser Produktion im Mittelpunkt. Geräusche und Musik werden wenn überhaupt, nur sehr dezent im Hintergrund eingespielt und versetzen den Hörer ganz in die Epoche der Handlung.

»Tante Julia und der Kunstschreiber« von Mario Varga Llosa ist ein mit Liebe, aufwendig produziertes Hörspiel, wie es heute leider selten zu finden ist. Ich kann dieses Hörspiel nur dringend empfehlen.

Viel Spaß beim Nachhören!

 

Dieses Hörbuch bei Facebook empfehlen

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 1

Spieldauer: ca. 720min.

CDs: 10

Verlag: der Hörverlag

Erschienen: 2010

Noch keine Kommentare vorhanden.

Sag Deine Meinung

 

Unsere Hörbuch-Empfehlungen: