Unendlicher Spass von David Foster Wallace | Hörbuch Blog: die besten Hörbucher und Hörspiele

Unendlicher Spass von David Foster Wallace

Dienstag, 3. Januar 2012

Unendlicher Spass

Unendlicher Spass

Ein Vorsatz von mir für das neue Jahr: Endlich die 1600 Seiten »Unendlicher Spass« von David Foster Wallace lesen. Irgendwann in naher Zukunft machen sich die Insassen des Entziehungsheims Ennet-House und Studenten der Enfield Tennis Academy auf die Suche nach einer Kopie von »Unendlicher Spass«, einem Film, der angeblich so unterhaltsam ist, dass der berauschte Zuschauer am Ende verhungert und verdurstet. Der Live-Mittschnitt aus dem Kölner Schauspielhaus macht Lust auf mehr!
 

 
 
 

170 Minuten »Unendlicher Spass« (Original »Infinite Jest«)


1600 Seiten umspannt der “Roman des Jahrhunderts”, wie es immer heißt, von David Foster Wallace, »Unendlicher Spass«. Da diese Lesung für mich ein längeres Projekt wird, habe ich zur Einstimmung einen Live-Mittschnitt einer Lesung aus dem Kölner Schauspielhaus von 2009 gehört. Verleger Helge Malchow, Übersetzer Ulrich Blumenbach sowie Literaturkritiker Elmar Krekeler und Denis Scheck stellen den Roman vor, aus dem acht Schauspieler ein Best-of zu Gehör bringen. Dieser Live-Mitschnitt ist so tiefgründig, satirisch, spannend, originell, eindrucksvoll und traurig wie das Original – als Hörbuch bekommt es gegenüber der literarischen Vorlage nun noch eine ganz eigene Intensität. Nicht allein der schiere Umfang, sondern vor allem die sprachliche Kreativität, die ungeheure Themenvielfalt, die treffsichere Gesellschaftskritik, scharfe Analyse sowie der Humor machten diesen Roman zum Meilenstein der Literatur und zu DEM Feuilleton-Ereignis des Jahres 2009.

Übersetzer Ulrich Blumenbach versucht den Inhalt diese Hörbuchs in einem Satz zusammenzufassen:

„Der junge Tennisspieler Hal Incandenza, der junge Ex-Kriminelle und Ex-Junkie Don Gately werden in einer nationale Krise verstrickt, in deren Verlauf kanadische Seperatisten und Terroristen versuchen die US-Amerikanische Gesellschaft zu destabilisieren, in dem sie einen Film der tödlich lustig oder lustvoll sein soll ins Fernsehnetz einspeisen.”


Der Roman wurde 1996 geschrieben, Experten haben hochgerechnte, das die Handlung im Jahre 2009 angesiedelt ist (oder das Jahr der Inkontinenzunterwäsche, wie es im Roman heißt). Die Vereinigten Staaten haben sich mit Kanada und Mexiko zur O.N.A.N. vereint, der Organisation Nordamerikanischer Nationen. Das frühere US-kanadische Grenzgebiet wurde evakuiert und in eine riesige Müllkippe verwandelt (die durch den Gebietsverlust entstandenen Steuerausfälle werden kompensiert, indem das Recht, Jahre zu benennen, an Firmen verkauft wird). Einige frankokanadische Separatistengruppen haben ihre Operationen auf ehemaliges US-Gebiet ausgedehnt, insbesondere die rollstuhlfahrenden „Assassins des Fauteuils Roulants“ (A.F.R.). Als Waffe würden sie gerne eine Videokassette einsetzen: den Film Unendlicher Spaß, das letzte Werk des Regisseurs James O. Incandenza. Jeder, der diesen Film sieht, wird innerhalb von wenigen Minuten unwiderruflich in den Geisteszustand eines Kleinkinds zurückversetzt und will nichts anderes mehr, als wieder und wieder diesen Film zu schauen – für die A.F.R.-Aktivisten ideologisch die passende Waffe, weil die Amerikaner so Opfer ihrer unersättlichen Gier nach Unterhaltung werden. Die A.F.R. sucht daher nach der kopierbaren Master-Kassette von Unendlicher Spaß – genauso wie der Geheimdienst, der die Verbreitung des Films verhindern möchte.
 

 

Mein Fazit


Eines lässt sich nach diesem Ausschnitt von »Unendlicher Spass« gleich feststellen: Fremdwortfetischisten und Freunde detaillierte Beschreibungen von Krankheitsbildern werden David Foster Wallace Mamutroman verschlingen. Für mich sprengte er bislang das Zeitkontigent. Ich hatte den Roman mehrer Wochen auf dem Schreibtisch liegen und konnte mich nur stückweise bis auf Seite 100 vorarbeiten. Die sprachliche Vielfalt diese Autors ist wirklich spektakulär, aber zudem anstrengend, teilweise erschlagend, auch aufgrund der nichtlinearen Erzählweise. Das bedeutet aber nicht, das der Roman inhaltlich nicht fesselt. Die Vielfallt, der teilweise makabere Humor, die Tiefgründigkeit und Detaillbessesenheit in Beobachtung und Beschreibung sind einzigartig.

An dieser Lesung sind besonders die Hintergrunginformationen, die in den Gesprächen mit Verleger Helge Malchow, Übersetzer Ulrich Blumenbach sowie Literaturkritiker Elmar Krekeler und Denis Scheck zu Tage kommen interessant. Die Krankheit von David Foster Wallace, der über 20 Jahre lang unter schwersten Depressionen litt, welche ihn letztlich in den Suizid trieben, werden in einem Ausschnitt aus einer anrührenden Gedenkrede, die seinem langjährigen Freund Jonathan Franzen auf der Trauerfeier hielt, näher beleuchtet. Den Text findet man in deutscher Übersetzung im Booklet.

Die Kapitel, die in dieser Ausgabe gelesen werden sind sehr gut gewählt. Mit Sprechern wie Harald Schmidt, Manfred Zapatka oder Joachim Król entwickelt David Foster Wallce Prosa noch einmal eine ganz andere Wirkung. Diese Lesung eignet sich perfekt um für sich festzustellen, ob man sich die fast 1600 Seiten wirklich antun möchte. Und meine Antwort lautet 170 Minuten Hörbuch später, eindeutig: Ja!

Viel Spaß beim Nachhören!

 

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 1

Spieldauer: ca. 169min. (Live-Mittschnitt einer auszugsweisen Lesung)

CDs: 2

Verlag: der Hörverlag

Erschienen: 2009

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