Unter Linken von Jan Fleischhauer

Sonntag, 24. Oktober 2010

Unter Linken von Jan Fleischhauer

Unter Linken von Jan Fleischhauer

Jan Fleischhauers »Unter Linken – Von Einem, der aus versehen konservativ wurde « ist die längst überfällige Abrechnung mit der politischen Linken. Schonungslos und eloquent werden hier verstaubte Ansichten und Denkweise des “linken Milieus” vorgeführt. Ein kurzweiliger, polemischer und recht amüsanter Erfahrungsbericht eines SPIEGEL-Autors, der dem “linken Glauben” den Rücken gekehrt hat. Warum mich Fleischhauers Hörbuch trotzdem nicht 100% überzeugt hat? Lest es selbst!
 

 
 

Von Einem, der aus versehen konservativ wurde


Linke müssen sich in Deutschland für ihre Ansichten nicht rechtfertigen. Sie haben ihre Meinung flächendeckend durchgesetzt, nicht im Volk, aber in den tonangebenden Kreisen, also da, wo sie vorzugsweise zu Hause sind. Wer links ist, lebt im schönen Gefühl, immer Recht zu haben. In der Politik haben sich die Linken oft geirrt, aber irgendwie macht das nichts, immer werden ihnen die besten Motive zugebilligt: Warum eigentlich?

Jan Fleischhauer hat einen Großteil seines Leben unter Linken verbracht – vom Elternhaus über Schule und Universität bis zum Milieu der Journalisten, in dem er seit zwei Jahrzehnten arbeitet. Jetzt unterzieht er sie einer genauen Betrachtung, mit dem Abstand desjenigen, der irgendwann entdeckte, dass er nicht mehr dazugehört.

 

Über den Autor: Jan Fleischhauer


Jan Fleischhauer, geboren 1962, ist seit 1989 Redakteur beim SPIEGEL. Nach dem Mauerfall war er in Leipzig, dann Berlin, zuletzt als stellvertretender Leiter des Hauptstadtbüros. Von 2001 bis 2005 arbeitete er als Amerika-Korrespondent in New York, wo er den Untergang der New Economy erlebte. Er studierte Literatur und Philosophie und lebt heute wieder in Berlin. Seit 2009 bloggt er unter http://www.unterlinken.de.

 

 

Unterhaltsames Pamphlet ohne Happy End


»Unter Linken« ist ein persönlicher Erfahrungsbericht über das „linke Milieu“, von einem (ehemaligen) Linken, der „aus versehen konservativ wurde“. Ein satirischer Rundumschlag, wie man ihn sonst nur aus dem linken Kabarett kennt, nur das die Pointen hier gegen das andere Lager feuern. Nicht Unternehmer, konservative Politiker oder christliche Geistliche stehen im Fadenkreuz, sondern Alt 68er, Intellektuelle, Journalisten und Kunstschaffende; kurz all Diejenigen, die es sonst immer besser wissen wollen, es aber nie unter Beweis stellen zu brauchen.

So wird hier also der Theaterintendant vorgeführt, der sich ein Interview mit 500 Euro entlohnen lässt oder der Politiker der GRÜNEN, der die deutsche Jugend vor amerikanischen Pommes Frites beschützen möchte. Das ist, wie gesagt, unterhaltsam. Es fragt sich nur, wem damit geholfen ist? Denn genau indem was Fleischhauer der Linken vorwirft (nicht auf politischer Augenhöhe zu debattieren, zu sehr auf der Gefühlsebene zu agieren, anstatt aufgrund von Überlegungen, keine ernstzunehmende Alternative anzubieten) schwächeln auch seine Überlegungen.

Als logische Schlussfolgerung auf die „gescheiterte Linke“ bietet er konsequent die politische Konservative an. Und an dieser Stelle enttäuschte mich Fleischhauers »Unter Linken«. Fleischhauer begründet sein Resümee mit einem Satz von Klaus von Dohnanyi: „Der Mensch sei halt feige, oportunistisch und gierig, von Ausnahmen abgesehen und allen Freunden. Und wer das bei Zeiten beherzige, der habe später auch keinen Grund zu tieferer Enttäuschung und damit anhaltendem Groll.“ Fleischhauer euphemisiert diese pessimistische Sicht als „illusionslose Anthropologie“ der Konservative und wähnt genau darin deren Stärke:„Für den Konservativen liegt die Moral in den Strukturen, nicht im Individuum, darum legt dieser politische Vertreter auch soviel Wert auf gesellschaftliche Verkehrsformen, auf Sitten und Gebräuche, die den Menschen zivilisieren und in größeren Ansammlungen erträglich machen“. Schützenfest und Trachtenabend als notwendige zivilisationsbildene Maßnahme? Eine trauriges Fazit.

Mein Fazit


Jan Fleischauer hat eine längst überfällige Abrechnung mit der „politischen Linken“ (oder die sich dafür halten) geschrieben. Da sich der Autor selber einen Konservativen nennt, kann ich den folgende Satz nur unterstreichen: Er ist einer der wenigen konservativen Autoren, die schreiben können. Ein kurzweiliger, polemisch und recht amüsanter (und man darf nie vergessen: subjektiver) Erfahrungsbericht eines gestandenen Journalisten.

Das Hörbuch wird sachbuchgerecht vom Autoren selbst gelesen und ist solide Hörkost. Wer allerdings vorher die Werbung ausführliche SPIEGEL-Dokumentation zum Buch gesehen hat, wird eventuell etwas enttäuscht sein, denn die besten Pointen wurden dort schon versendet.

Die CD-Version kommt mit einem schlichten vierseitigen Booklet. Wer darauf verzichten kann, dem sei die Downloadversion an Herz gelegt (Ihr spart 4 Euro!).

Viel Spaß beim Nachhören!

 

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 Mein Gesamturteil:
Hörbuch Downloads bei Libri.de


Spieldauer: ca. 203min. (gekürzte Lesung)

CDs: 3

Verlag: Universal Music

Erschienen: 2010

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