Verbrechen von Ferdinand von Schirach

Samstag, 3. Juli 2010

Verbrechen von Ferdinand von Schirach

Verbrechen von Ferdinand von Schirach

Das Hörbuch »Verbrechen« von Ferdinand von Schirach ist für mich eine echte Überraschung. Fesselnd bis anrührend erzählt der Strafverteidiger wahre Fälle aus seinen mehr als zwanzig Jahren Berufserfahrung. Ob kaltblütiger Mord, slapstickartiger Diebstahl oder Verzweiflungsbankraub aus Liebe. Schirachs Buch wird von Sprecher Burghart Klaußner einfühlsam und ohne Pathos vorgetragen. Sehr angenehm.
 

 
 
 

Wahre Verbrechen


Das Hörbuch von Staranwalt Ferdinand von Schirach erzählt kuriose Fälle aus dessen beruflichem Alltag. Das Ungeheuerliche ist bei ihm der Normalfall. Er vertritt Unschuldige, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten, ebenso wie Schwerstkriminelle.

 

 

Die elf Stories decken so ziemlich das gesamte Spektrum des Verbrechens ab. Ein angesehener, freundlicher Herr, Doktor der Medizin, erschlägt nach vierzig Ehejahren seine Frau mit einer Axt. Er zerlegt sie förmlich, bevor er schließlich die Polizei informiert. Sein Geständnis ist ebenso außergewöhnlich wie seine Strafe. Ein Mann raubt eine Bank aus, und so unglaublich das klingt: er hat seine Gründe. Gegen jede Wahrscheinlichkeit wird er von der deutschen Justiz an Leib und Seele gerettet. Eine junge Frau tötet ihren Bruder. Aus Liebe. Und ein unscheinbarer, unbekannter Mann, der von zwei angetrunkenen Schlägern an einem Bahnsteig drangsaliert wird, töte seine Peiniger mit zwei professionellen Handgriffen. In dem folgenden Ermittlungsverfahren hüllt dieser sich in Schweigen. Seine Identität bleibt ungeklärt.

 

Mein Fazit


Ferdinand von Schirach hat ein wirklich fesselndes Buch geschrieben. Das Spektrum der Geschichten reicht von schockierend, über spannend bis anrührend (besonders der Text „Der Äthiopier“) Doch bleibt die Frage offen, wie viel von diesen unglaubliche Geschichten wirklich der Wahrheit entsprechen. Schirach bekennt im Kurzinterview das er die Geschichten stark verfremdet hat (vor allem die Namen der Protagonisten) auf Grund der anwaltlichen Schweigepflicht. Und man kann sich gut vorstellen, dass weitere Fakten zu Steigerung der Spannung geschönt wurden.

 

 

Trotzdem überzeugt das Hörbuch. Hauptgrund ist der sicher formulierte Text, in einer klaren und schnörkellosen Sprache. Dabei wechselt der Autor mühelos zwischen nüchternem juristisch präzisem Berichterstattertonfall, wie bei der Schilderung der Taten (nicht immer was für sanfte Gemüter, besonders wenn er anatomische Vorgänge beschreibt, z.B. beim Zerstückeln einer Leiche oder dem chirurgischen Tötens eines Menschen mit einem Messer) und dem mitfühlenden Schreibstil eines Geschichtenerzählers. Sprecher ist der Berliner Schauspieler Burghart Klaußner, der ruhig und angenehm betont vorträgt, so dass man dem Inhalt jeder Zeit mühelos folgen kann.

Für mich war dieses Hörbuch eine echte Überraschung, weil ich einem Juristen soviel erzählerisches Fingerspitzengefühl nicht zugetraut hätte. Bleibt abzuwarten ob Ferdinand von Schirach diese Niveau halten kann, im August 2010 erscheint nämlich sein neues Buch mit dem Titel „Schuld“. Man darf gespannt sein. Sobald es erhältlich ist findet Ihr den Hinweis dazu in der Rubrik neue Hörbücher.

Viel Spaß beim Nachhören!

 

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 Mein Gesamturteil:
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Spieldauer: ca. 203min.

CDs: 3


Verlag: DAV


Erschienen: 2009


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