Zug um Zug von Helmut Schmidt und Peer Steinbrück

Sonntag, 12. Februar 2012

Zug um Zug

Zug um Zug

Sachbücher mit, über und von Helmut Schmidt erscheinen fast inflationär. Zum Glück! Das Hörbuch »Zug um Zug« sind Tonbandaufnahmen von einem Gespräch, das er und Peer Steinbrück im Sommer 2011 führten. Beide Politiker kommen in diesem Gespräch zur Sache – gezielt, ohne lässtige Moderatoren oder nervigen Politjargon. Ein interessantes Gespräch als ansprechendes Hörbuch aufbereitet.
 

 

Helmut Schmidt und Peer Steinbrück im Gespräch


Helmut Schmidt und Peer Steinbrück traffen sich im Sommer 2011 in Schmidts Haus in Hamburg-Langenhorn um die aktuelle politische Situation zu diskutieren. Beide zählen zu den bedeutendsten Politikern ihrer Generation und sie verbindet eine langjährige Freundschaft. Obwohl fast dreißig Jahre zwischen Helmut Schmidt und Peer Steinbrück liegen, werden die beiden oft in einem Atemzug genannt – Elder Statesman und moralische Instanz der eine, spätestens seit der Finanzkrise Garant für politische Geradlinigkeit der andere: Hier tauschen sich zwei überzeugte Sozialdemokraten aus, die manche Positionen ihrer Partei nicht gutheißen können.

Ob sie über die Risse im Fundament unserer Gesellschaft reden oder über die Ignoranz von Funktionseliten, ob sie die Verschiebung der globalen ökonomischen Gewichte und die Zukunft Europas diskutieren oder die verheerenden Auswüchse des weltweiten Raubtierkapitalismus: Immer wieder kehrt das Gespräch zu der Ausgangsfrage zurück, wie das Primat des Politischen, wie Demokratie und Sozialstaat auch in Zukunft gewahrt und die wachsende Kluft zwischen Regierten und Regierenden geschlossen werden kann.

 

 

Trivia: Der fast schon legendäre Schachbrett-Fehler beim Fotoshooting


Darum ging es: Auf dem Buchtitel spielen die beiden SPD-Politiker offensichtlich falsch, weil das Spielbrett auf dem Foto um 90 Grad gedreht ist. Der rechte Turm von Steinbrück steht auf einem schwarzen Feld – nach den Regeln müsste es ein weißes sein. Das Titelfoto der neuen „Zeit“-Ausgabe zeigt dagegen ein korrektes Brett.

Die für das Cover engagierte Fotografin Ingrid von Kruse begründetet den Fehler mit Zeitdruck. “Schmidt hatte nur noch an diesem Tag Zeit und Lust für das Foto. Da musste ich mich beeilen“, sagte sie der “Süddeutschen Zeitung“. Das Schachbrett selbst habe sie aber nicht angerührt. Sie habe sich lediglich erlaubt, den Tisch näher ans Fenster zu rücken.

Es habe ein mehrteiliges Shooting für das Foto gegeben, bei dem das Schachbrett umgestellt worden sei, sagte Iris Seidenstricker, Sprecherin des Verlags „Hoffmann & Campe“, am Donnerstag. Mit Rücksicht auf die Gesundheit des Alt-Kanzlers habe man sich allerdings beeilen wollen. Wem von beiden der Fehler letztendlich aufgefallen sei, könne sie nicht sagen. Beide seien „versierte Schachspieler“. Allerdings habe das Spiel bei dem Fototermin auch nicht die entscheidende Rolle gespielt.

Allen Anzeichen nach ist das Foto auf dem richtigen Feld etwa 20 Minuten nach dem falschen entstanden – zumindest lässt sich dies an der Armbanduhr von Helmut Schmidt ablesen. Dabei ist das Spiel auf dem früheren Foto wesentlich weiter fortgeschritten als auf dem späteren.

 

Mein Fazit


Wer noch nicht völlig politikverdrossen ist und interessante Anregungen fernab der Polittrashtalk-Kultur des Deutschen Fernsehens sucht, der sollte sich die Gespräche Helmut Schmidts mit Fritz Stern in dem Hörbuch “Unser Jahrhundert” anhören und aktuell, Helmut Schmidt und Peer Steinbrück in »Zug um Zug«!

Viel Kritik musste dieses Buch aushalten, so u.a. auch den Vorwurf der Wahlkampfbroschüre. Diesen kann ich jedoch nicht bestätigen. Rasant, auf den Punkt und ohne Umwege diskutieren der Altkanzler und der “Kanzlerkandidat in spe” die wichtigsten politischen Themen unserer Zeit – intelligent und mit fachlichem Sachverstand. Von der Rolle Chinas und den USA, über Eurogipfel und Bankenkrisen bishin zur Integrationsdebatte und die aktuelle politische Landschaft in Deutschland. Alles sachlich und und ohne nervige Moderatoren oder profilneurotisches Gekeife.

Besonders gefreut hat mich an dieser Version, das Hoffmann und Campe diese Mal die original Tonbandaufnahmen des Gesprächs verwendet und keine Sprecher. Die dadurch entstandene Atmosphäre ist sensationell. Die Hintergrundgeräusche, das eingießen des Tees oder das Anzünden einer Zigarette verleihen dem Hörbuch einen außergewöhnlichen Charme. Schade nur, das Steinbrück so passiv auf Schmidts Feststellung reagriert, das der künftige Bundeskanzler Deutschlands nur Peer Steinbrück heißen kann.

Viel Spaß beim Nachhören!

 Mein Gesamturteil:
Hörbuch-Bewertung: Note 1

Spieldauer: ca. 210min. (gekürzte Fassung)

CDs: 3

Verlag: Hoffmann und Campe Verlag

Erschienen: 2011

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